DÜW-Journal - page 22

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Haßloch:
Nächster Schritt bei der Teilung des Rehbachs
Sieben Brücken über neuen Rehbach
Fast wie schwerelos flogen die
Holz-Stahl-Konstruktionen durch die
Luft: Die sieben Fuß- und Radwege-
brücken über der neuen Rehbachtras-
se wurden im Mai und Juli gesetzt.
Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt
zur Rehbachteilung getan. Das erste
Wasser soll planmäßig 2021 fließen.
Die sieben Fuß- und Radwegebrücken
mit einem Überbau und Geländer in
Holzbauweise wurden auf Tiefladern
vormontiert angeliefert. Damit ging die
Arbeit vor Ort schnell. Nach kurzer
Endmontage wurden sie mithilfe eines
Autokrans an die vorgesehenen Stand-
orte eingesetzt, anschließend hydrau-
lisch gesteuert exakt justiert und in der
endgültigen Lage fixiert.
Acht Tonnen in der Luft
Die Fundamente und Auflager, die die
Brücken halten, wurden bereits in den
vergangenen Monaten gefertigt. So „flo-
gen“ die Brücken mit einem Gewicht
von je acht Tonnen kurz durch die Luft
und saßen nach wenigen Minuten pas-
send an ihrem Bestimmungsort. Nur
wenige Stunden waren so für die Ar-
beiten der ausführenden Firma Faber
Bau GmbH nötig.
Die Brücken haben zwischen den
Geländern eine Durchgangsbreite von
1,55 Meter und zwischen den Aufla-
gern eine lichte Weite von etwa elf
Metern. Die ersten vier Fuß- und Rad-
wegebrücken wurden am 27. Mai in-
stalliert, die nächsten drei am 16. Juli.
Außerdem folgen im Herbst noch
zwei Stahlbetonbrücken, die für die
Befahrung mit LKW ausgelegt sind
und für den Forstverkehr, die Feuer-
wehr und Rettungsfahrzeuge benö-
tigt werden. Die Kosten für alle Brü-
cken betragen insgesamt rund 1,2
Millionen Euro.
Neuer Rehbach, alte Spazierwege
Spatenstich für die Brücken-Vorarbei-
ten war am 29. November 2019. Seit-
her erfolgten die vorbereitenden Ar-
beiten, etwa für die Fundamente. Zu-
sätzlich müssen noch weitere Bauwer-
ke errichtet werden: Drosselbauwerk,
Trennbauwerk und mehrere Düker.
Außerdem wird der Gewässerlauf noch
geschaffen. Geplant ist, dass 2021 das
Wasser durch den neuen Bachlauf fließt.
Mit dem neuen Rehbach können die
gewohnten Spazierwege genutzt wer-
den: Die Brücken sorgen dafür, dass
die bekannten Wegebeziehungen er-
halten bleiben.
„Mit den Brücken sind wir an einem
Punkt in der Teilung des Rehbachs, an
dem man wieder einen Fortgang im
Wald sieht. Bei den Planungs- und Vor-
bereitungsarbeiten in den vergange-
nen Monaten ist für das Auge nur we-
nig passiert – jetzt merkt man wieder
sichtbar, es geht voran. Ich freue mich
darauf, wenn 2021 das Wasser endlich
fließt und wir dieses Projekt abschlie-
ßen“, sagt Landrat Hans-Ulrich Ihlen-
feld. „Es ist ein wichtiges Projekt, das
die Renaturierung mit einem effekti-
ven Hochwasserschutz verbindet. Der
neue Bachlauf wird den Naherholungs-
wert im Haßlocher Wald noch einmal
aufwerten.“
|
Sina Müller
Hochwasserschutz in Haßloch: Vorgeschichte zum Brückenbau
Die Maßnahme hat eine lange
Vorgeschichte: Dass die Dämme
am aktuellen Rehbach in Haß-
loch einem starken Hochwasser
nicht mehr standhalten, wurde
vor zehn Jahren festgestellt. Ge-
meinsam mit der Struktur- und
Genehmigungsdirektion (SGD)
Süd und dem Gewässerzweck-
verband Rehbach-Speyerbach
ging der Landkreis auf Lösungs-
suche. Eine Sanierung der Däm-
me stand im Raum, doch bald
war klar – auch dank hilfreicher
Anmerkungen von Naturschüt-
zern – eine Teilung des Reh-
bachs mit einem zweiten Bach-
lauf südlich der Ortslage löst
mehrere Probleme auf einen
Schlag. Mit der Renaturierung,
die die Durchgängigkeit für Fi-
sche und andere Wassertiere
ermöglicht, kann im Zusammen-
spiel mit weiteren Maßnahmen
auch Hochwasserschutz für Haß-
loch erreicht werden. Im Okto-
ber 2013 wurde das Planfeststel-
lungsverfahren für die Gewäs-
serneuentwicklung eingeleitet,
2015 wurde der Planfeststel-
lungsbeschluss von der SGD Süd
erlassen. Dagegen gab es mehre-
re Klagen, die alle abgewiesen
oder zurückgenommen wurden.
Das Umweltministerium über-
prüfte die Förderfähigkeit, 2017
stand dann endgültig fest: Die
Maßnahme ist förderfähig. Im
selben Jahr starteten die Ro-
dungsarbeiten für die neue Tras-
se, die zunächst bis zum Früh-
jahr 2018 erfolgten, und im Win-
ter 2018/2019, nach der Schon-
zeit im Sommer, für ein weiteres
Teilstück fortgeführt wurden.
Aufgrund der Verzögerungen in
der Planfeststellung und der
über die Jahre allgemein gestie-
genen Kosten im Bausektor er-
höhten sich allerdings die Kos-
ten für das Projekt: Waren 2016
noch 4,1 Millionen Euro ge-
schätzt, so betrug die Kosten-
schätzung 2018 4,9 Millionen
Euro. Bei Umweltministerin Ulri-
ke Höfken wurde daher ein An-
trag auf Aufstockung der Förde-
rung gestellt, der gewährt wur-
de. 500.000 Euro mehr darf der
Landkreis erwarten, also rund
3,7 Millionen Euro durch die
Aktion Blau plus.
Seit der Rodung der Trasse sind
mehrere Arbeiten für den weite-
ren Verlauf erfolgt: Im Frühjahr
2019 konnte man die Brunnen-
bohrungen für die Messstellen
beobachten. Hier werden die
Durchflussmengen (alter Reh-
bach), die Wasserstände (alter
Rehbach), die Grundwasserstän-
de (beide Trassen) kontrolliert.
Damit wird die Ausgangssituati-
on vor der Teilung dokumen-
tiert. Außerdem wurde der
Nachweis der Durchgängigkeit
beim neuen Bachbett erbracht,
der ebenfalls mit Messungen
verbunden war. Ein unabhängi-
ger Gutachter hat bestätigt, dass
die Durchgängigkeit nach
EU-Richtlinien gegeben ist. Zeit-
gleich gingen die Planungsarbei-
ten für die Bauwerke weiter.
Seit November 2019 erfolgten die
vorbereitenden Arbeiten für die
Brücken, die Betonfundamente
wurden geschaffen. Am 27. Mai
wurden die ersten vier Fuß- und
Radwegebrücken gesetzt. Drei
weitere folgen in den kommen-
den Wochen, außerdem zwei
Stahlbetonbrücken. Danach fol-
gen noch weitere Bauwerke
(Drosselbauwerk, Trennbau-
werk, mehrere Düker) und der
Gewässerschlauch wird geschaf-
fen. Planmäßig soll 2021 das
erste Wasser durch den Bypass
fließen.
|
SM
Freuen sich über den gelungenen Arbeitseinsatz mit schwerem Gerät: Landrat
Ihlenfeld (3.v.re.) mit Büroleiterin Elke Thomas, Projektleiter Burkhardt Döll
(2.v.re.), Felix Riedesel von BGS (li.) sowie Axel Schmitt, Kai Stuck und Ingo
Häßel von Faber Bau (restliche Personen, von rechts).
Fotos: KV/Müller
Fertig angeliefert: Die Brücke kommt
auf einem Lkw und wird montiert.
Luftnummer: Kurz schwebt die acht
Tonnen schwere Brücke ...
Passt: Nach der Feinarbeit sitzt die
Brücke da, wo sie hin soll.
... bis sie über ihrem neuen Bestim-
mungsort angekommen ist.
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