DÜW-Journal - page 17

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Freinsheim:
Förderanträge für die Stadtmauersanierung positiv beschieden
Einzigartiges Geschichtszeugnis
Sie ist in ihrem Erhaltungszustand
einmalig in Rheinland-Pfalz: Die
Stadtmauer verleiht Freinsheim einen
einzigartigen Charakter und macht
den Ort zum typischen Beispiel für
eine mittelalterliche pfälzische Klein-
stadt. Sie ist zweifelsohne einer der
Gründe für die touristische Attrakti-
vität. Doch sie ist auch stark sanie-
rungsbedürftig. Dass die Erneuerung
bald starten kann, ist vielen Anstren-
gungen zu verdanken – und dem Ein-
satz der Kreisverwaltung.
Mehrere Männer starren an eine Wand
und legen die Stirn in Falten. Ihre Bli-
cke wandern hin und her. Vor ihnen:
eine Sandsteinmauer. Nur wer genauer
hinsieht, erkennt die Stelle, die das In-
teresse weckt. Dort sind zwei etwa recht-
eckige Flächen, die etwas anders aus-
sehen: neuer als der Rest der Mauer, ein
bisschen ebener, mehr eierschalfarben.
Die eine heller, die andere dunkler. Die
Steine sind an dieser Stelle neu verfugt.
Unter den Männern, die hier überlegen,
sind Matthias Weber, Bürgermeister der
Stadt Freinsheim, Dr. Armin Hanson,
Denkmalpfleger des Landkreises, und
Helmut Maus vom Ingenieurbüro Bart-
hel und Maus. Sie schauen, wie der Mör-
tel für die gesamte Stadtmauersanierung
aussehen soll: Welche Farbe ist die rich-
tige? Wie muss die Körnung sein? Hier-
für wird auch eng mit dem Institut für
Steinkonservierung in Mainz zusam-
mengearbeitet. Die Fläche ist ein Test-
feld. Alter Mörtel wurde ausgekratzt,
analysiert und nachgemacht. „Ziel ist
ein einheitliches Konzept für die ge-
samte Mauer“, erklärt Hanson. „Es geht
vor allem um den Substanzerhalt. Es
soll möglichst original aussehen, aber
es muss nicht zwingend exakt so aus-
sehen, wie es einmal ausgesehen hat.“
Die Sanierung der Stadtmauer ist ein
großer Schritt für Freinsheim, und Bür-
germeister Weber freut sich, dass die
Stadt mittlerweile so weit ist, schon den
neuen Verputz testen zu können. Auch
wenn es bis zur eigentlichen Sanierung
noch ein bis zwei Jahre dauert. Davor
standen erst noch ein Gutachten und
die Frage der Finanzierung. „Als erstes
musste man den Bestand und Zustand
erfassen, um weitere Schlüsse ziehen
zu können“, sagt Hanson. Man brauche
immer ein Konzept, um Fördermittel
zu beantragen, und ein Konzept kön-
ne man nur entwickeln, wenn man den
Bestand kenne. Für Freinsheim gab es
zwar eine städtebauliche Untersuchung
der Altstadt – aber ohne Stadtmauer.
„Auch die Baugeschichte der Mauer war
noch unbekannt“, so Hanson. Es brauch-
te also ein statisch-konstruktives und
bauhistorisches Gutachten. Zunächst
für den südlichen Teil der Stadtmauer,
denn diesen wollte man zuerst sanie-
ren, da er überwiegend in städtischem
Eigentum ist. Die Wahl fiel auf das In-
genieurbüro Barthel und Maus aus
Mainz, das auf solche Projekte spezia-
lisiert ist. Kosten für das Gutachten: rund
136.000 Euro. Alleine konnte das die
Stadt Freinsheim nicht stemmen. Es be-
teiligte sich unter anderem die Stiftung
des Landkreises für Kultur, Soziales,
Umwelt, Bildung, Unterricht und Erzie-
hung mit 6000 Euro. „Die Stadtmauer
ist ein besonderes Denkmal, ein ganz
herausragender Anziehungspunkt in
unserem Kreis. Wir sind verpflichtet, sie
zu erhalten“, sagt Landrat Hans-Ulrich
Ihlenfeld. „Diese Verpflichtung liegt
zwar in erster Linie bei der Stadt, ist
aber dem Kreis ein wichtiges Anliegen.
Leider sind keine freiwilligen Leistun-
gen des Kreises möglich, doch ich habe
mich an mehreren Stellen persönlich
eingesetzt, damit sowohl das Gutach-
ten als auch die Sanierung die dringend
gebotenen Förderungen erhalten.“ So
überzeugte er die Sparkasse Rhein-
Haardt, sich mit 10.000 Euro am Gut-
achten zu beteiligen. Von Landesseite
gab es einen Zuschuss von 43.000 Euro.
Das Gutachten konnte schließlich im
Januar 2020 in Freinsheim vorgestellt
werden. „Mit Memmingen ist Freinsheim
die wahrscheinlich bestuntersuchte
Stadtmauer in Deutschland“, freut sich
Hanson über das Ergebnis. Und das
war teilweise überraschend: So ist die
Mauer kein gewachsenes Konglomerat
verschiedener Bauten. „Sie entstand im
15. Jahrhundert wahrscheinlich in ei-
nem Rutsch nach einem strengen Plan“,
sagt Matthias Weber. Sie hatte nie ei-
nen durchgehenden Wehrgang, wes-
halb die Wehrtürme so dicht beieinan-
derstehen – etwa alle 45 Meter. „Ein Kul-
turdenkmal ist für uns auch immer Ge-
schichtszeugnis“, sagt Hanson und ver-
weist darauf, dass man in der Mauer
kein Holz aus dem Mittelalter findet.
„Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg
musste die gesamte Pfalz wiederaufge-
baut werden, da blieb kaum Holz für
die Mauer übrig.“ In der Folge sind heu-
te besonders die Tordächer stark sanie-
rungsbedürftig. Insgesamt wird die Sa-
nierung zehn bis 15 Jahre dauern und
etwa fünf Millionen Euro kosten.
Nachdem das Gutachten vorlag, muss-
te der Bundeszuschuss für die eigentli-
che Sanierung des ersten Abschnitts im
Süden beantragt werden. „Das war
knapp, die Frist hierfür lief im Februar
2020 ab“, erinnert sich Hanson. Anfang
Februar ist er nach einer Besprechung
mit dem Landrat nach Mainz gefahren,
um das Land von der Bedeutung zu
überzeugen, da sich der Bund nur be-
teiligt, wenn es auch das Land tut. „Es
war entscheidend, dass der Landrat sich
so eingesetzt hat“, ist Hanson überzeugt.
Sein „politisches Gewicht“ hätte den
Ausschlag gegeben, ebenso das der bei-
den Bundestagsabgeordneten Johannes
Steiniger und Isabel Mackensen. Im Mai
dann die Zusage: 450.000 Euro kom-
men vom Bund für den ersten, rund
eine Million teuren Abschnitt. Die
höchstmögliche Fördersumme. Damit
können die Mauerkurtine am Haintor
und der Bachturm saniert werden. Die
anderen Abschnitte sollen Zug um Zug
folgen. Für jeden wird erneut Förde-
rung beantragt – mit Unterstützung des
Landrats, wie er verspricht.
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Sina Müller
Grünstadt:
Landkreis mietet Halle für den Förderverein Erweiterter Rettungsdienst
Hilfe für psychosoziale Notfallversorgung
Neben Feuerwehr und Rettungsdienst
ist auch die Psychosoziale Notfallver-
sorgung eine wichtige Säule des Ka-
tastrophenschutzes. Im Landkreis Bad
Dürkheim übernimmt der Förderver-
ein Erweiterter Rettungsdienst (FERD)
die seelische Betreuung von Menschen
in Krisensituationen. Um noch besser
arbeiten zu können, hat der Landkreis
Bad Dürkheim für FERD eine Halle
in Grünstadt vom Kreiskrankenhaus
angemietet.
Am 9. Juni hat der Verein die Halle be-
zogen. „Unsere drei Fahrzeuge standen
vorher dezentral, bei der Feuerwehr
und bei uns privat. Jetzt ist es wesent-
lich praktischer, sie stehen in der Hal-
le zentral. Jeder, der sie benötigt, hat ei-
nen Schlüssel“, freut sich Vereinsvorsit-
zender Michael Feneis beim Besuch von
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld. Auch die
benötigten Materialien waren vorher
bei Mitgliedern privat gelagert, jetzt ist
alles beisammen und kann nach jedem
Einsatz direkt aufgefüllt werden. „Die
Halle passt prima zu unserem 25. Jubi-
läum in diesem Jahr“, bedankt sich der
zweite Vorsitzende Karl-Ludwig Hauth
beim Landkreis. Rund 80 bis 90 Einsät-
ze hat FERD pro Jahr, coronabedingt
waren es weniger, da weniger Men-
schen unterwegs waren und so glück-
licherweise weniger Unfälle passierten.
„Jetzt sind wir wieder mit Maske im Ein-
satz“, sagt Inge Schaumann. Teilweise
haben sie auch telefonisch geholfen.
„FERD leistet eine wichtige Arbeit, und
ich bin sehr froh, dass wir den Verein
im Rahmen des Katastrophenschutzes
weiter unterstützen können“, so Ihlen-
feld.
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Sina Müller
Freuen sich, jetzt ihre Fahrzeuge und das Equipment zentral lagern zu kön-
nen: FERD-Mitarbeiter mit Landrat Ihlenfeld.
Foto: KV/Müller
An der Stadtmauer (v.li.): Helmut Maus vom Ingenieurbüro, Denkmalpfleger
Dr. Armin Hanson und Bürgermeister Matthias Weber.
Fotos: KV/Müller
Unterstützt die Stadtmauersanierung
nach Kräften: Landrat Ihlenfeld.
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