DÜW-Journal - page 11

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Grünstadt:
Endoprothetikzentrum am Kreiskrankenhaus steht unter neuer Leitung
Eingespieltes Team am OP-Tisch
Im Endoprothetikzentrum des Kreis-
krankenhauses Grünstadt gibt es zwei
neue Experten in der Knie-, Hüft-
und Schultergelenk-Chirurgie. Gelei-
tet wird der 2016 zertifizierte Bereich
seit 1. Januar von Martin Gassauer,
dem seit 1. März Frank Feuchtenho-
fer zur Seite steht. Die beiden Fachärz-
te für Orthopädie und Unfallchirur-
gie sind als Nachfolger der in den Ru-
hestand verabschiedeten Oberärzte
Dr. Alfred Schmidgen und Rainer
Wolf die Hauptoperateure.
Gassauer hat in der Grünstadter Kli-
nik „die optimale Arbeitsstelle“ gefun-
den, wie er sagt. Ein großer Pluspunkt
sei das von der Deutschen Gesellschaft
für Orthopädie und Orthopädische
Chirurgie (DGOOC) anerkannte Endo-
prothetikzentrum, eines von bundes-
weit aktuell 542. Darüber hinaus „wer-
den hier genau die Prothesensysteme
verwendet, die ich in meiner Ausbil-
dung eingesetzt habe“, erklärt der
39-Jährige. Sehr gut gefalle ihm auch,
dass es am Kreiskrankenhaus eine Ge-
riatrische Tagesklinik gibt, da es ja ge-
rade oft die älteren Menschen sind, die
Gelenkersatz benötigen. Zum anderen
sei er als Pfälzer der Region sehr ver-
bunden und wollte in der Gegend blei-
ben. Nicht zuletzt herrsche im Kreis-
krankenhaus ein gutes Betriebsklima,
nennt er einen weiteren Grund für sei-
ne Entscheidung, nach Grünstadt zu
gehen.
Erfahrung mit vielen Systemen
Da er Frank Feuchtenhofer schon lan-
ge kennt und als Kollegen sehr schätzt,
hat er ihm vorgeschlagen, doch auch
ins Leiningerland zu wechseln. Der ein
Jahr ältere Oberarzt erzählt: „Wir ha-
ben rund drei Jahre lang in der BG Kli-
nik in Ludwigshafen zusammen im
Operationssaal gestanden.“ Bei rund
der Hälfte ihrer Patienten hätten sie
alte Prothesen gegen neue austauschen
müssen. Insofern haben die beiden
Chirurgen schon mit sehr viel verschie-
denen Gelenkersatz-Systemen gearbei-
tet und bringen die entsprechende Er-
fahrung mit. „In Ludwigshafen haben
wir sogar denselben Schreibtisch ge-
teilt“, hebt Feuchtenhofer hervor, dass
er und Gassauer ein eingespieltes Team
sind und sich glücklich schätzen, nun
weiterhin an einem Ort gemeinsam
wirken zu können. „Auch ergänzen
wir uns sehr gut, denn wir haben in
der Prothetik unterschiedliche Schwer-
punkte“, erläutert der 40-Jährige, der
sich bei seiner Tätigkeit vor allem auf
Schulterarthroskopie und Traumatolo-
gie konzentriert. Knie- und Hüftgelen-
ke sind das Spezialgebiet des Zentrum-
leiters.
Die beiden Oberärzte werden vonei-
nander lernen. Gassauer sagt: „Unser
Ziel ist es, dass wir beide alles beherr-
schen und uns gegenseitig ersetzen
können.“ Das Endoprothetikzentrum
muss durchgehend mit allen Qualifi-
kationen besetzt sein, das heißt einer
der Hauptoperateure ist stets anwe-
send. Dies sei eine der Voraussetzun-
gen für die Zertifizierung, so Gassau-
er. Gefordert wird von der DGOOC
auch, dass pro Jahr mindestens 100
Prothesen implantiert werden. „Im
Kreiskrankenhaus Grünstadt sind es
jährlich knapp 300“, weiß er. Insge-
samt ist es ein ganzer Katalog an Be-
dingungen, die erfüllt sein müssen: Be-
stimmte Räumlichkeiten sind vor- und
Hygienestandards einzuhalten, jeder
Handgriff ist nachvollziehbar zu doku-
mentieren.
Planung am Computerbildschirm
Auch ist es verpflichtend, den optima-
len Sitz eines künstlichen Gelenkes zu-
vor anhand von Röntgenbildern am
Computerbildschirm zu planen. Bei ei-
ner Primär-Endoprothetik, also beim
Ersteinsatz eines Implantates, ist der
Patient laut Gassauer in der Regel nach
fünf Tagen so schmerzarm, dass er
nach Hause beziehungsweise in die
Reha gehen kann. Am 16. April dieses
Jahres steht das Reaudit als Endopro-
thetikzentrum an.
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Anja Benndorf
„Optimale Arbeitsstelle gefunden“: Martin Gassauer.
Foto: Anja Benndorf
Zur Person
Martin Gassauer
Martin Gassauer wurde im De-
zember 1979 in Ludwigshafen
geboren. Von 2002 bis 2009 stu-
dierte er Humanmedizin an der
Justus-Liebig-Universität in Gie-
ßen. Anschließend war Gassauer
bis April 2013 als Assistenzarzt
der Chirurgie am Klinikum Lud-
wigshafen mit dem Schwerpunkt
Viszeralchirurgie tätig. Die folgen-
den drei Jahre war er Assistenz-
arzt in der Weiterbildung für Un-
fallchirurgie und Orthopädie an
der Ludwigshafener BG Klinik.
Dort arbeitete er ab Januar 2015
am Endoprothetikzentrum der
Maximalversorgung, ab Septem-
ber 2017 als Hauptoperateur. Den
Facharzt erwarb Gassauer im
März 2016. Der zweifache Vater
ist Notarzt und Taucherarzt. Gas-
sauer spricht neben Englisch
auch Spanisch und in Grundzü-
gen Französisch. Seit 1. Januar
leitet er das Endoprothetikzent-
rum des Kreiskrankenhauses
Grünstadt.
Frank Feuchtenhofer
Frank Feuchtenhofer wurde im
November 1978 in Speyer gebo-
ren. Nach dem Zivildienst beim
DRK-Kreisverband Ludwigshafen
und einer einjährigen Ausbildung
zum Rettungsassistenten nahm er
im Jahr 2000 das Studium der
Humanmedizin an der Rup-
recht-Karls-Universität Heidel-
berg-Mannheim auf. 2007 ging
Feuchtenhofer als Assistenzarzt
an das Hetzelstift nach Neustadt
mit verschiedenen Schwerpunk-
ten, unter anderem Viszeral- und
Gefäßchirurgie, Intensivmedizin
und Spezielle Unfallchirurgie. Im
Februar 2013 wechselte er an die
BG Klinik Ludwigshafen, drei
Jahre später wurde er anerkannt
als Facharzt für Orthopädie und
Unfallchirurgie. Der Mediziner ist
Leitender Notarzt am Medical
Center Hockenheim-Ring. Seit 1.
März ist der Vater eines Kindes
Oberarzt im Endoprothetikzent-
rum des Kreiskrankenhauses
Grünstadt.
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Anja Benndorf
Grünstadt:
Kreiskrankenhaus als Hernienzentrum zertifiziert
Schließen von Lücken in der Bauchwand
Dass im Kreiskrankenhaus Grünstadt
Eingeweidebrüche in ausgezeichne-
ter Qualität behoben werden, ist im
November 2018 offiziell mit der Zer-
tifizierung als Kompetenzzentrum für
Hernienchirurgie anerkannt worden.
Von den jährlich rund 3500 Operati-
onen in der Chirurgie, der mit 65 Bet-
ten und 14 Medizinern zweitgrößten
Abteilung der Klinik, entfielen 2018
rund 280 Eingriffe auf das Schließen
von Lücken in der Bauchwand.
„Am häufigsten handelt es sich um Leis-
tenbrüche, aber wir haben auch viele
Nabel-, Narben- und Zwerchfellherni-
en“, sagt der Chefarzt der Chirurgie, Dr.
Frank Ehmann. An den natürlichen
Schwachstellen des menschlichen Kör-
pers können durch kontinuierliche Über-
lastung Risse entstehen. „Das geschieht
nicht durch eine einmalige Überanstren-
gung, man kann sich also keinen Bruch
heben“, widerspricht er einer weit ver-
breiteten Befürchtung. Es gebe Leute,
die ihr Leben lang sehr hart arbeiten
und dabei schwere Dinge schleppen,
aber nie eine Hernie erleiden und an-
dere, die körperlich kaum beansprucht
seien und trotzdem einen Bauchwand-
bruch gekommen.
Solche Lücken im Gewebe werden mit
der Zeit immer größer und es besteht
die Gefahr, dass Organe eingeklemmt
werden, zum Beispiel ein Stück Darm
bei der Leistenhernie oder ein Stück
Magen beim Zwerchfellbruch. „Dann
muss eine Notoperation erfolgen“, sagt
Ehmann. Deshalb plädiert er dafür, eine
Hernie frühzeitig schließen zu lassen.
Im Gegensatz zu früher ist eine Leis-
tenbruch-Operation heute keine große
Sache mehr und Rezidive treten fast
nicht auf. „Für Leisten- und Nabelher-
nien verwenden wir – außer bei Kin-
dern und Jugendlichen – standardmä-
ßig Netze“, berichtet der Chirurg von
den meist minimalinvasiven, hochste-
rilen Eingriffen mit Antibiotika-Gabe.
Bereits ein bis zwei Tage später könne
der Patient die Klinik verlassen und bei
Schmerzfreiheit „sofort wieder alles ma-
chen, sogar Getränkekisten die Treppe
hinauftragen“.
Damit das alles so reibungslos funkti-
oniert und keine Komplikationen auf-
treten, sind eine Menge Bedingungen
zu erfüllen. Unter anderem muss im-
mer einer der beiden Hauptoperateure,
Dr. Ehmann oder sein Stellvertreter Dr.
Stefan Walther-Berthold, anwesend sein.
Standards für die Vorbereitung des chi-
rurgischen Eingriffs, für die OP und für
die Nachbehandlung müssen aufgestellt
worden sein. „Zur Qualitätssicherung
haben wir alles zu dokumentieren“, er-
läutert der Chefarzt. Die Daten werden
gesammelt und für Studienzwecke ge-
nutzt. Eine Herniensprechstunde gibt
es seit 2017: montags und dienstags, 13-
16 Uhr, Anmeldung: 06359/8097111, Ter-
mine auch nach Vereinbarung.
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AB
INFO
M. Gassauer/Dr. A. Bern-
hardt: Vortrag „Schmer-
zen in Knie und Hüfte –
Wann ist der Ersatz des
Gelenks sinnvoll?“: 6. Mai,
19 Uhr, Kreiskrankenhaus
Grünstadt. Platzreservie-
rung erforderlich unter:
06359 809-111
1...,2,3,4,5,6,7,8,9,10 12,13,14,15,16,17,18,19,20,21,...28
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