DÜW-Journal - page 6

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Der Jahreswechsel und damit die gu-
ten Vorsätze, endlich etwas im Le-
ben zu ändern, liegen noch nicht lan-
ge zurück. Aber was kann ich tun,
wenn ich meine Ziele nicht erreiche?
Wolfgang Hübner, der seit zehn Jah-
ren in Mannheim eine psychologi-
sche Praxis führt und Therapien, Be-
ratungen sowie Coachings anbietet,
kennt sich mit dem Thema aus. Sein
Wissen vermittelt er auch in Schulen
und in der Erwachsenenbildung, un-
ter anderem an der Kreisvolkshoch-
schule. Im DÜW-Journal erzählt er,
wie man den inneren Schweinehund
austricksen kann und seine Ziele im
Auge behält.
Herr Hübner, viele Menschen nehmen
den Jahreswechsel zum Anlass, um
Veränderungen in ihrem Leben an-
zugehen. Was sind Ihrer Erfahrung
nach die klassischen Vorsätze?
Hier lassen sich grob zwei Hauptthe-
men unterscheiden. Die Gesundheit
spielt eine wichtige Rolle, viele wol-
len sich mehr bewegen, das Gewicht
reduzieren oder mit dem Rauchen
aufhören. Ebenso von Bedeutung ist
alles, was mit Beziehungen zu tun
hat: Man möchte etwa einen Partner
finden oder endlich mal wieder ei-
nen alten Freund aus der Schulzeit
anrufen. Zu den klassischen Vorsät-
zen zählt auch, sich etwas ganz Be-
sonderes vorzunehmen, etwa Nord-
lichter anzusehen oder ähnliches. An
besonderen Tagen, wie dem Jahres-
wechsel, sind solche Themen sehr be-
liebt und haben etwas Rituelles.
Wie nachhaltig und sinnvoll sind die
guten Vorsätze?
Wenn die Ziele gut tun und motivie-
rend sind, halte ich Vorsätze für abso-
lut sinnvoll. Der Antrieb dafür sollte
aber von innen heraus kommen, sonst
setzt man sich schnell selbst unter
Druck und Frustration entsteht. Und
auf dem Weg zum eigentlichen Ziel
entstehen oft neue Ziele, an die man
zuvor gar nicht gedacht hat.
Wie sollte man die Sache angehen?
Man muss zunächst für sich selbst he-
rausfinden, was realistisch ist. Eben-
falls zu beachten ist, dass bei allem,
was wir uns bewusst vornehmen, auch
eine unbewusste Komponente mit-
schwingt. Wer etwa das Rauchen auf-
geben möchte, tut zwar etwas für sei-
ne Gesundheit, verzichtet aber gleich-
zeitig auf ein Entspannungsmittel. Um
die Motivation nicht zu verlieren, muss
eine Balance gefunden werden zwi-
schen diesen entgegengesetzten Be-
dürfnissen. So sollte sich der angehen-
de Nichtraucher Gedanken über seine
unbewusst ablaufenden Gewohnhei-
ten machen und sich überlegen, wel-
che alternativen Entspannungsmittel in
Frage kommen.
Empfehlen Sie Zwischenziele?
Die Ziele sollten überschaubar sein.
Wer abnehmen möchte, sollte sich lie-
ber eine Gewichtsreduktion um zwei
Kilo in zwei Monaten vornehmen, statt
zehn Kilo bis zum Sommer. Wenn die
Zwischenziele realistisch und erreich-
bar sind, kann man aus der Freude über
kleinere Erfolgserlebnisse die Motiva-
tion für die nächste Herausforderung
ziehen. Zu ambitionierte Ziele setzen
nur unnötig unter Druck, schaffen Frust
und sind dadurch kontraproduktiv.
Was kann man tun, wenn die Moti-
vation nachlässt und man das Ziel
aus den Augen verliert?
Da verwende ich gerne das Bild des
inneren Teams, bestehend aus ver-
schiedenen Ministern für Genuss, Ent-
spannung, Gesundheit und so weiter.
Verliert man die Motivation, steht eine
Teamkonferenz an, um zu klären wo
das Problem liegt und wo nachgebes-
sert werden muss, damit am Ende alle
zufrieden sind. Möglicherweise sind
das gesteckte Ziel zu groß oder die
Zwischenstufen zu anspruchsvoll. Wer
kontinuierlich an sich arbeitet, statt
einfach aufzugeben, kann letztlich al-
les erreichen.
Auseinandersetzungen mit dem in-
neren Schweinehund sind nicht nur
auf gute Vorsätze beschränkt. Welche
Tricks empfehlen Sie, um sich im All-
tag für ungeliebte Aufgaben oder läs-
tige Verpflichtungen zu motivieren?
Der Schweinehund gehört ebenfalls
zu dem inneren Team. Erfolgreich
sind die Menschen, die ihn nicht als
Gegner sehen, der bekämpft werden
muss, sondern freundlich mit ihm um-
gehen. Ein Selbstgespräch kann hier
viel bewirken: Was will er damit er-
reichen? Wie kann ich einen Kompro-
miss mit ihm aushandeln? Prinzipiell
hat auch der innere Schweinehund
eine gute Absicht, die ernst genom-
men werden sollte.
Haben Sie sich persönlich auch etwas
vorgenommen?
Speziell zum Jahreswechsel nichts, das
war nie so mein Ding. Ich als Selbst-
ständiger muss mir ohnehin ständig
Ziele stecken. Auch wenn ich mich be-
ruflich viel mit diesen Dingen beschäf-
tige, klappt bei mir aber auch nicht
immer alles. Ich habe mir vorgenom-
men, auch mal nichts für die Arbeit
zu tun und dafür lieber mit dem Hund
spazieren zu gehen.
Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich vertraue mir selbst und versuche
die richtige Balance zu finden zwischen
dem Willen, ein Ziel zu erreichen und
dem stetigen Hinterfragen, ob der ein-
geschlagene Weg noch der richtige ist.
Generell sollte man dabei nie verges-
sen, das Leben auch zu genießen, egal
was passiert.
|
Interview: Michael Ehret
Will mit seinen Anliegen auch ernst genommen werden: Wer dem inneren Schweinehund freundlich begegnet, hat gute
Chancen, seine Ziele doch zu erreichen.
Foto: pixabay
Interview:
Motivationscoach Wolfgang Hübner über gute Vorsätze und verschiedene Wege zum Ziel
„Auch der Schweinehund hat gute Absichten“
Wolfgang Hübner hat zahlreiche
Qualifikationen erworben, etwa als
systemischer Berater (SG) und Heil-
praktiker (Psychotherapie).
Foto: Hübner
INFO
Seminare von
Wolfgang Hübner:
Gesunder Schlaf -
Bedeutung und Praxis:
Do, 28.3., 19.30-21 Uhr
Mentaltraining für Schü-
ler zw. 14-19 Jahren:
Sa, 13.4., 10-16 Uhr
Selbstbewusst Konflikte
lösen und schwierige
Kommunikation meistern:
Do, 23.5., 19.30-21 Uhr
Vom konstruktiven Um-
gang mit inneren Kriti-
kern, Miesmachern und
Perfektionisten:
Sa, 15.6., 10-16 Uhr
Anmeldungen:
VHS Bad Dürkheim
06322/935-132 sowie im
Internet unter
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