DÜW-Journal - page 5

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Warum weniger oft mehr ist
Nachhaltige Lebensweise durch Weglassen und Entrümpeln im Trend
Wer künftig leichter leben möchte, kann das auch anders erreichen als durch Abspecken: Weglassen und Entrüm-
peln soll nämlich die Seele reinigen und Freude bringen. Inzwischen gibt es nicht nur Regale voller Bücher zum
„Less is More“-Trend, sogar im Kino üben sich Yuppies, wenn auch nicht ganz ernst gemeint, erfolgreich im Ver-
zicht. Und was der eine als Ballast loswerden möchte, kann dem anderen sogar noch gute Dienste leisten.
INFO
Hier kann man „Entrümpeln“ für
den guten Zweck:
Bad Dürkheim:
„Krempelstübchen“ und Second-
Hand-Shop der Kirche,
Philipp-Fauth-Straße:
ww.evkirche-bad-duerkheim.de/
gutes-aus-2-hand/
Sozialkaufhaus der Werkstatt
Arbeiten und Lernen, neben der
alten Molkerei, Weinstraße Nord:
-
und-lernen.de/?p=639
Grünstadt:
Sozialkaufhaus der
Werkstatt Arbeiten und Lernen,
Daimlerstraße 1, Info:
06359/810628,
-
arbeiten-und-lernen.de/?p=323
Haßloch:
Jedermannkaufhaus
der Bürgerstiftung, Werkstr. 4,
0170/2473900, 06324/5930120
.
de/projekte/kaufhaus-jedermann
Kleiderkammer des Deutschen
Roten Kreuzes mit Second-
Hand-Shop, Schmähgasse 39:
/
kleidung-spenden/kleiderspen-
de.html
|
TK
Minimalismus ist angesagt: Die Erkennt-
nis, dass Besitz und Konsum auch zur
Last werden können, breitet sich aus,
während Entrümpeln Schule macht.
Und weil vieles, das sich im Laufe der
Zeit so in Haus und Wohnung ange-
sammelt hat, eigentlich zu schade für
den Müll ist, boomt auch das Se-
cond-Hand-Geschäft – Benefizcharak-
ter inklusive.
Francine Jay gilt als Vorreiterin der mi-
nimalistischen Lebensweise. Die Ame-
rikanerin ist sich sicher: Statussymbo-
le und Konsumgüter machen nicht oder
nur kurzfristig glücklich. „Viele dieser
Gegenstände ziehen uns langsam,
aber sicher das Geld aus den Ta-
schen, den Zauber aus unseren
Beziehungen und die Freude aus
unserem Leben.“ Wer Minimalist
werde und dem Konsumrausch
den Kampf ansage, könne sich die
Kontrolle über sein Leben zurück-
holen und den „dringend benötig-
ten Raum für die freie Entfaltung un-
seres Ichs schaffen sowie das Zuhau-
se für das Wesentliche in unserem Le-
ben öffnen“, schreibt sie in ihrem Buch
„Less is more“.
Oft genug fällt es aber selbst mit die-
ser Erkenntnis schwer, sich von lieb-
gewordenem Ballast zu trennen. Selbst
Francine Jay räumt ein, man müsse sich
mental darauf vorbereiten, „die Fesseln
zu lösen, die unsere Gegenstände uns
angelegt haben“. Sie rät etwa dazu, sich
an die Jugendzeit zurückzuerinnern,
als das Sozialleben noch wichtiger ge-
wesen sei als der Besitz oder gar Sta-
tussymbole. Auch der Urlaub sei ein
gutes Beispiel, wie man sich durch Los-
lassen freier fühle, besonders beim
Campen. Und wer sich die Frage stel-
le, was er aus einem brennenden Haus
zuerst retten würde, die Haustiere oder
die Designerjeans, könne ebenfalls ei-
nen Schritt weiterkommen und erken-
nen, dass Gegenstände nicht existen-
ziell wichtig seien.
So gerüstet, kann es also ans Ausmis-
ten gehen. Beim Entrümpeln raten Ex-
perten dazu, die Dinge einzuteilen
nach dem Motto: „Love it, change it or
leave it“ – liebe es, verändere es oder
gib/wirf es weg. Von Nützlichem, das
sich regen Gebrauchs erfreut, und Lieb-
lingsteilen muss sich natürlich niemand
trennen. Was man aber längere Zeit
unbeachtet hortet, kann eigentlich un-
besehen weg. Ein gutes Beispiel dafür
sind Umzugskartons, die ungeöffnet
Jahre lang im Keller stehen. Was man
über ein Jahr lang nicht vermisst hat,
wird man vermutlich auch künftig nicht
brauchen. Aber selbst nutzloser Krem-
pel verdient durchaus eine nähere Be-
trachtung: Sind die Gegenstände ei-
nem letztlich doch so wichtig, dass
man sich nicht davon trennen möch-
te, sollte man sie offen präsentieren
und sich täglich daran erfreuen. Bei
allem anderen gilt: Umarbeiten und
neu nutzen oder weg damit! Und zwar
je nach Zustand ins Sozialkaufhaus,
auf den Flohmarkt, ins Recycling
oder in die Tonne.
„Entsorgen Sie Dinge, die zer-
schlissen und schäbig sind eben-
so wie die Dinge, die sie ärgern“,
rät Rita Pohle, Expertin für sys-
temische Wohn- und Raumpsy-
chologie aus Stuttgart, in ihrem
Buch „Weg damit von A bis Z“.
Sie betreibt schon seit mehr als 20 Jah-
ren das Büro „Design & Consulting“
und hat sich mit dem Entrümpeln schon
lange vor der Minimalismus-Welle aus-
einandergesetzt. Dass aber selbst das
oft nicht ganz leicht fällt, ist Rita Poh-
le bewusst: „Ein Abschied fällt dann
leichter, wenn man weiß, wo der ent-
sprechende Gegenstand landet und
dass er einem anderen noch gute
Dienste erweist. So trennt man sich
leichter von einem geliebten Möbel-
oder Kleindungsstück“. Pohle: „Das
Loslassen ist oft schmerzhaft, aber freu-
en Sie sich auf das Neue, das nach-
kommt.“
Für Francine Jay ist es mit dem Aus-
misten allein nicht getan. Der Minima-
lismus, den sie propagiert, bezieht auch
ein, nicht wieder neue Stapel anzu-
häufen. „Eins rein, eins raus“, ist etwa
eine ihrer Regeln, um den Status Quo
nach dem Entrümpeln auch zu halten.
Für jeden gekauften Gegenstand, muss
ein ähnlicher weichen.
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Gisela Huwig
Als Minimalist die Kontrolle über
sein Leben zurückgewinnen und
Raum zur freien Entfaltung des
Ichs schaffen.
Für den einen überflüssiger Ballast, für den anderen schön und nützlich: alter Hausrat.
Foto: PhotoSG/stock.adobe.com
Zur Sache:
Umweltfreundlich entrümpeln und renovieren
Der gründliche Frühjahrsputz bringt
manche „Schmutzecke“ im Haus
ans Licht: Da fehlt etwas Farbe, dort
ist der Lack ab, das Wohnzimmer
müsste dringend gestrichen, das
Schlafzimmer neu tapeziert werden.
Wer dazu ein Zimmer komplett
ausräumen muss, kann sich gleich
von überflüssigen Utensilien trennen.
Alles, was zu groß für die graue
Restmülltonne ist, kommt zum Sperr-
müll. Dabei wird allerdings nach
Ausgangsmaterial unterschieden:
Holz und Metall werden getrennt
eingesammelt. Manches muss aber
gar nicht in die Restmülltonne oder
zum Sperrmüll wandern, sondern
kann umweltfreundlich der Wieder-
verwertung zugeführt werden: Alte
CDs werden etwa auf den Wert-
stoffhöfen angenommen. Stapel mit
alten gesammelten Zeitungen und
Zeitschriften oder Dokumente aus
vielen Jahren, die entsorgt werden
können, gehören (bei Dokumenten
vorsichtshalber geschreddert) in die
Papiertonne. Wenn‘s dann ans Reno-
vieren geht, kommen oft Produkte
zum Einsatz, die Chemie oder gar
giftige Schadstoffe beinhalten. Nach
getaner Arbeit gilt auch hierbei:
Farb- und Lackreste, Verdünner und
Reiniger müssen zur mobilen Schad-
stoffsammlung gebracht werden.
Kleister und eingetrocknete Wand-
farbe können über den Hausmüll
entsorgt werden. Dorthin gehören
auch Tapetenreste, denn darin hängt
noch Kleber, der nicht ins Altpapier
soll. Flüssige Dispersionsfarben und
Müllsäcke mit Tapetenresten können
auch auf den Wertstoffhöfen abgege-
ben werden.
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Red
Weitere Infos beim Abfallwirt-
schaftsbetrieb: 06322/961-5525
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