DÜW-Journal - page 10

10
Kreiskrankenhaus Grünstadt:
Mit Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin aktiv gegen den Ärztemangel
Begleitung auf dem Weg zum Facharzt
Der im Sommer 2018 vom Kreiskran-
kenhaus Grünstadt und acht Haus-
arztpraxen gegründete Weiterbil-
dungsverbund Allgemeinmedizin hat
mit Professor Dr. Michael Jansky ei-
nen weiteren Partner dazugewon-
nen. Bei dem Direktor des Zentrums
für Allgemeinmedizin und Geriatrie
an der Universitätsklinik Mainz, der
in Böhl-Iggelheim praktiziert, ist mit
Ann-Marie Siebein die erste Assis-
tenzärztin in der Weiterbildung im
Verbund beschäftigt. Die Erfahrun-
gen sind positiv.
Der Weiterbildungsverbund soll dazu
dienen, die Fachrichtung Allgemein-
medizin für junge Ärzte attraktiver zu
machen und den Bestand an Hausarzt-
praxen im ländlichen Raum zu sichern.
Immer mehr Hausärzte fernab der Me-
tropolen haben Probleme, Nachfolger
zu finden. „Im Landkreis Bad Dürk-
heim haben wir einen Mangel an All-
gemeinmedizinern“, berichtet der Ver-
waltungsdirektor des Kreiskranken-
hauses, Udo Langenbacher. Das habe
verschiedene Ursachen. Zum einen sei-
en die Verdienstmöglichkeiten und Ar-
beitszeiten von Allgemeinmedizinern
mitunter nicht so gut wie bei anderen
Fachärzten. Eine weitere Hürde: Die
Akademiker mit Examen in Human-
medizin müssen sich nach der Appro-
bation selber darum kümmern, wo sie
die erforderlichen ambulanten und sta-
tionären Abschnitte ihrer fünfjährigen
Fortbildung in Vollzeit zum Facharzt
absolvieren können. Dabei sind immer
wieder Bewerbungen erforderlich, Pla-
nungsunsicherheiten können entste-
hen.
Lückenlose Komplettlösung
Im Weiterbildungsverbund – einer von
inzwischen landesweit zwölf – wird
eine lückenlose Komplettlösung ange-
boten. Für die Fachrichtung Allgemein-
medizin müssen insgesamt 24 Monate
in einer Hausarztpraxis und 18 Mona-
te in der Inneren Medizin nachgewie-
sen werden. In den restlichen andert-
halb Jahren können individuelle
Schwerpunkte gesetzt werden. Ann-Ma-
rie Siebein erzählt: „Ich war schon ein
Jahr in der Inneren Abteilung einer Kli-
nik in der Schweiz, jetzt bin ich für 18
Monate bei Professor Jansky, dann wer-
de ich zwei Jahre an das Kreiskran-
kenhaus Grünstadt gehen. Vor der Prü-
fung werde ich abschließend das letz-
te halbe Jahr wieder hier in Böhl-Ig-
gelheim sein.“ Langenbacher freut sich
schon auf die neue Ärztin, die bereits
Berufserfahrung mitbringt.
Von Patienten gut akzeptiert
Siebein ist seit 1. Oktober Mitarbeite-
rin in der Praxis von Prof. Jansky. „Ich
fühle mich wohl hier, es macht mir
sehr viel Spaß“, sagt sie. Bei Unsicher-
heiten könne sie jederzeit beim Pro-
fessor, aber auch bei den Kolleginnen
nachfragen. „Von den Patienten bin ich
sofort gut akzeptiert worden“, so die
34-Jährige, die aus dem Schwarzwald
stammt und betont, dass sie sich im
ländlichen Raum niederlassen möch-
te. „Ich schätze es, die Patienten über
lange Zeit regelmäßig zu sehen und zu
begleiten.“ Bis zum Physikum hat Sie-
bein an der Semmelweis-Universität in
Budapest studiert, anschließend ging
sie zur Charité nach Berlin. Von Jans-
ky habe sie erfahren, dass er eine Stel-
le zur Weiterbildung frei habe.
Schon früh Praktika ermöglichen
Man müsse sich aktiv um Weiterbil-
dungsassistenten bemühen, erklärt der
Professor, der seit den 1990er Jahren
Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten
in seiner Praxis anbietet. Wer Medizi-
ner nach dem Examen in seiner Pra-
xis weiterbilden möchte, tue gut dar-
an, ihnen schon während des Studi-
ums das zweiwöchige Blockpraktikum
oder das Wahlpflichtfach im Prakti-
schen Jahr zu ermöglichen. „Das kann
entscheidend sein für die Berufswahl.“
Siebein erzählt, dass sie während des
Praktischen Jahres den Vertrag für das
erste Weiterbildungsjahr in der Schweiz
abschließen konnte. In Deutschland
erhält eine Klinik für die Aufnahme
eines Weiterbildungsassistenten eine
monatliche Förderung von 1360 Euro,
ein niedergelassener Arzt 4800 Euro.
Im Januar 2018 ist auf Janskys Initiati-
ve hin von der Universitätsmedizin
Mainz, zusammen mit der Kassenärzt-
lichen Vereinigung, der Krankenhaus-
gesellschaft und der Landesärztekam-
mer in Rheinland-Pfalz, das Kompe-
tenzzentrum Allgemeinmedizin ge-
gründet worden. Es soll Qualität und
Effizienz der Weiterbildung fördern.
„Wir bieten viermal jährlich Begleitse-
minare an, in denen der fachliche Hin-
tergrund vertieft wird. Auch versuchen
wir anhand von Best-Practice-Beispie-
len Lust auf eine eigene Hausarztpra-
xis zu machen“, erläutert Jansky. Über
ein Mentoring-Programm wird Hilfe-
stellung bei der Organisation und Ge-
staltung der Weiterbildung gegeben.
Darüber hinaus gibt es am Kompetenz-
zentrum auch Schulungen für die wei-
terbildungsbefugten Ärzte.
|
Anja Benndorf
Haben positive Erfahrungen mit dem Weiterbildungsverbund gemacht: Assistenzärztin in der Weiterbildung Ann-Marie
Siebein mit Professor Dr. Michael Jansky, der in Böhl-Iggelheim praktiziert.
Foto: Anja Benndorf
INFO
Weiterbildungsverbund
Allgemeinmedizin
Grünstadt-Leiningerland
Bockenheim:
Praxis Dr. Frank Eckelmann,
Dr. Richarda Jonas-Eckelmann
Böhl-Iggelheim:
Praxis Prof. Dr. Michael Jansky
Eisenberg:
Praxis Dr. Michael Gurr;
Praxis Eva-Maria Riße
Freinsheim:
Praxis Volker Gaus,
Dr. Eva-Maria Unger
Grünstadt:
Praxis Dr. Karsten Bischoff,
Dr. Sonja Lehnert und
Dr. Heino Schneider;
Praxis Dr. Jens Galan;
Praxis Dr. Alexander Reidick,
Dr. Nicole Scheuren und
Dr. Gabriele Behr
Hettenleidelheim:
Praxis Dr. Achim Raabe,
Dr. Christine Blattner
Lambsheim:
Praxis Dr. Ulrich Walter Geibel
Bei der Gründung des Weiterbildungsverbunds: Gabriele Behr, Alexander
Reidick, Sonja Lehnert (vorne v. li.), Nadja Moreno, Sandra Goldzinski (Kasse-
närztliche Vereinigung), Jens Galan, Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, Udo Lan-
genbacher, Volker Gaus und Christine Blattner (hinten v. li.).
Foto: Anja Benndorf
INFO
Ansprechpartner für inte-
ressierte Ärztinnen und
Ärzte: Udo Langenbacher,
Tel. 06359/809-200;
E-Mail-Adresse:
udo.langenbacher@kran-
kenhausgruenstadt.de
1,2,3,4,5,6,7,8,9 11,12,13,14-15,16,17,18,19,20,21,...28
Powered by FlippingBook