DÜW-Journal - page 4

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Mohsen und Elham
Alleine in einem fremden Land – das
ist vor allem für minderjährige Jugend-
liche hart, die ohne Eltern und Fami-
lie in Deutschland ankommen. Zwei
von ihnen sind Elham Hasam und
Mohsen Al Masalmeh, zwei junge Män-
ner aus Afghanistan und Syrien. Ihre
Zeit in Deutschland begann für sie bei-
de im Jahr 2015, als sie sich von ihren
Heimatländern aus auf eine Reise ins
Unbekannte aufmachten.
Elham Hasam war 16 Jahre alt, als er
im August 2015 von Afghanistan nach
Deggendorf gelangte. In Bobenheim/
Berg lebt er seit Febru-
ar 2016 bei einer Pfle-
gefamilie. „Es hat zwei
bis drei Monate gedau-
ert, bis ich mich verstän-
digen konnte“, erinnert
sich Elham. Trotzdem
schloss er die zehnte
Klasse erfolgreich ab
und besucht nun die
Höhere Berufsfachschu-
le für Medienmanage-
ment und Mediengestal-
tung in Neustadt. „Dort gefällt es mir
sehr gut. Ich will später auch in die-
sem Bereich arbeiten“, erzählt der
19-Jährige. Auch seine Lehrer und Mit-
schüler seien nett zu ihm, und er habe
Freunde gefunden. Nur die Suche nach
einem Praktikum, das im Frühjahr
Pflicht ist, bereitet ihm Schwierigkei-
ten. „Bisher habe ich nur Absagen be-
kommen, und ich habe Angst, dass das
an meiner Herkunft liegt“, sagt er.
Mit seinen Pflegeeltern habe er schon
viele Städte innerhalb Deutschlands
besucht, berichtet Elham. „Wir waren
zusammen in Berlin, Hamburg, Mün-
chen, an der Ostsee und am Ammer-
see.“ Nur Deutschland verlassen dür-
fe er wegen seines Aufenthaltsstatus
nicht. Manchmal belaste ihn das, sagt
Elham. Beispielweise könne er nicht
mit seinen Schulfreunden zum Skiur-
laub in die Schweiz fahren. Auch On-
kel und Tante, die in den Niederlan-
den leben, könne er nicht besuchen.
Selbst bei den Pfadfindern habe er auf-
gehört: „Es hat mir dort großen Spaß
gemacht, aber ich konnte nicht bei Rei-
sen dabei sein. Dadurch hatte ich im-
mer das Gefühl, nicht richtig mitma-
chen zu können.“ Deswegen hofft El-
ham sehr darauf, dass er bald eine Rei-
seerlaubnis bekommt.
In seiner Pflegefamilie fühle er sich
wie zu Hause und bekomme viel Hil-
fe. Trotzdem denke er oft an seine Fa-
milie in Afghanistan. „Gerade bei Fes-
ten wie Hochzeiten wäre ich gerne da-
bei. In solchen Momenten vermisse ich
meine Familie.“
Für die Zukunft wünscht sich Elham,
irgendwann auf eigenen Beinen ste-
hen zu können. Bereits jetzt jobbt er
neben der Schule, wenn er nicht für
Klausuren lernen muss. „Ich versuche,
ein bisschen zu sparen und habe mir
sogar meinen Führerschein selbst be-
zahlt“, berichtet er stolz.
Auch Mohsen befindet sich auf einem
guten Weg. Im Oktober
2015 kam der 19-Jähri-
ge nach Deutschland,
weil er wegen des Krie-
ges aus Syrien fliehen
musste. Seit zweiein-
halb Jahren lebt er bei
einer Pflegefamilie in
Freinsheim. Genauso
wie Elham hatte Moh-
sen zunächst Schwie-
rigkeiten, weil er erst
die deutsche Sprache
lernen musste.
Nachdem Mohsen die zehnte Klasse
an einem Gymnasium beendet hatte,
fing er eine Ausbildung zum Elektro-
niker an. Mittlerweile ist er schon im
zweiten Jahr. „Ich bin froh, die Lehre
zu machen, weil ich gerne mit den
Händen arbeite. Auch in der Berufs-
schule fühle ich mich gut“, berichtet
er. Nach der Ausbildung möchte er wei-
terhin als Elektroniker arbeiten und
selbstständiger werden. Bereits im
Gymnasium habe er in einer Autowerk-
statt geholfen und so etwas sparen kön-
nen. „Mit der Hilfe meiner Pflegefami-
lie konnte ich mir sogar ein Auto kau-
fen“, erzählt Mohsen.
Anders als Elham darf Mohsen reisen,
da ihm für dreieinhalb Jahre Asyl ge-
währt wurde. „Ich war zusammen mit
meiner Pflegefamilie in Frankreich
und in Holland“, sagt Mohsen. Trau-
rig für ihn ist jedoch, dass er seine El-
tern nicht nach Deutschland holen
kann. „Als mein Asylantrag geneh-
migt wurde und ich Familiennachzug
hätte beantragen können, war ich be-
reits 18 Jahre alt, und es ging nicht
mehr.“ Das bedauert Mohsen sehr,
und er hofft, dass der Krieg irgend-
wann vorbei ist, damit er seine Fami-
lie wiedersehen kann.
Ein neues Leben
in der Ferne
Eingewanderte erzählen ihre Integrations-Geschichten
Bestens integriert:
Elham ist in seiner
Pflegefamilie glücklich.
Foto: Privat
Viel unterwegs:
Mohsen erhält
von seiner Pfle-
gefamilie Unter-
stützung und
Hilfe.
Foto: Privat
Gemeinsam aktiv:
Elham und seine Pflege-
eltern beim Rudern.
Foto: Privat
Ich bin froh, die
Lehre zu machen, weil
ich gerne mit den Hän-
den arbeite.
Neues entdecken:
Mohsen und seine
Pflegefamilie in
Amsterdam.
Foto: Privat
Verschiedene Wege und Gründe führten sie zu uns: Die einen
trieb der Krieg nach Deutschland, andere verließen für die Liebe
ihre Heimat. Doch sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben im
Kreis Bad Dürkheim ein neues Zuhause gefunden. Unsere Autorin
Katharina Hans hat sich mit vier Eingewanderten unterhalten.
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