DÜW-Journal - page 19

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Elmstein:
Museumswald auf dem Ehscheid-Berg
Raritäten mit Jahresringen
Einen Museumswald gibt es auf dem
Ehscheid-Berg östlich von Elmstein-Ap-
penthal. Dort findet sich ein uralter
Kiefernbestand: Die Bäume wachsen
seit 265 Jahren auf diesem Bergpla-
teau. Dieses „lebende Baummuseum“
stellte Autor Wolfgang Weigand im
Heft „Geschichte und Geschichten aus
der Heimat, Ausgabe 3“ des Förder-
kreises Kirchenruine Appenthal vor:
Seit Generationen stehen sie zusammen
mit gleichaltrigen Eichen an ihremPlatz
und haben bis heute allen Stürmen und
Zeitereignissen getrotzt: die Kiefern im
Museumswald. Im Pfälzerwald gibt es
zwar immer wieder Einzelbäume glei-
chen Alters; ein geschlossener Kiefernbe-
stand aus rund 180 Bäumen ist jedoch
nur hier, in der Waidabteilung ,Klein
Ehscheid‘ zu finden. Dies ist nicht nur
für den Pfälzerwald einmalig, mit gro-
ßer Wahrscheinlichkeit existiert in ganz
Deutschland kein vergleichbarer Kie-
fernbestand.
BeimBetrachten der Jahresringe auf ei-
ner Stammscheibe lassen sich dieWachs-
tumsbedingungen bis zum Geburtsjahr
eines Baumes zurückverfolgen. Breite
Jahrringe und dicke Ästansätze imZen-
trum deuten darauf hin, dass die Bäu-
me während der ersten Jahrzehnte ei-
nen großen Standraum hatten. Da in
der damaligen Zeit der Wald nur selten
durch Aussaat begründet wurde, kann
man davon ausgehen, dass der Muse-
umsbestand auf natürliche Art, also
durch Samenabfall entstanden ist. In-
folge Ausbeutung und Obernutzung –
das Prinzip der Nachhaltigkeit war da-
mals noch unbekannt – standen wohl
nur wenige Altbäume auf einer großen
aufgehellten Fläche und sorgten mit ih-
ren Zapfen für den Nachwuchs.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre das
Schicksal des Museumsbestandes fast be-
siegelt gewesen. Auf Weisung der fran-
zösischen Besatzungsmacht waren alle
erntereifen Kiefernbestände zu erfassen
und zum Einschlag vorzusehen. Somit
hätten auch die Museumskiefern gemel-
det werden müssen. Der damals im Re-
vier Appenthal tätige Förster Scholl ver-
gaß jedoch den Bestand (mit Absicht??).
Damit riskierte er fast sein Leben. Bis
zum Ende der Besatzungszeit blieb der
Bestand vergessen, dann – kurz vor dem
Abzug – erfuhr der französische Kom-
mandant davon. Doch er verzieh den
Elmsteiner Forstleuten, er war selbst ein
Forstmann ...
Auch in der heutigen Zeit erfolgt keine
wirtschaftliche Nutzung der Kiefern, le-
diglich in den beigemischten Buchen
werden Pflegeeingriffe durchgeführt. Die
stärksten Kiefern haben einen Umfang
von drei Metern gemessen in Brusthöhe,
während ihre Höhe nur 25 bis 30 Meter
beträgt. Aber gerade weil die Bäume
nicht so hoch gewachsen sind, wirken
sie auf den Betrachter so wuchtig und
majestätisch. Außerdem fällt auf, dass
fast alle Bäume nicht kerzengerade ste-
hen, sondern sich erheblich in Richtung
Osten neigen. Dies ist wohl eine Folge
des ständigen Kampfes mit den vorherr-
schendenWestwinden und lässt ahnen,
dass irgendwann in ferner Zukunft auch
die Zeit dieser Riesen abgelaufen sein
wird.
|
Wolfgang Weigand
Mit Seltenheitswert: alter Kiefernbe-
stand.
Foto: Schwoaze/Pixabay
INFO
Weg zum Museumswald
Mit dem Auto kann man über
die Verbindungsstraße Appen-
thal-Esthal bis zur Paul-Selbach-
Ruhe nahe der Siedlung Schwa-
benbach fahren. Von dort führt
ein markierter Weg in südlicher
Richtung direkt zum Ziel. Der
weiß-blauen Markierung fol-
gend, erreicht man nach 500
Metern zunächst den Pflanzgar-
ten Ehscheid. Nach weiteren 300
Metern sind die ersten Baumve-
teranen zu sehen. Eine Bank
lädt zum Verweilen ein und auf
einer Informationstafel sind die
wichtigsten Daten über den Mu-
seumsbestand nachzulesen.
Rundweg im Museumswald
Bei der Tafel (Bild oben) beginnt
ein Rundweg, auf dem man in
20 Minuten den gesamten Muse-
umsbestand erwandern kann.
Wer der Markierung weiter in
Richtung Helmbach folgt, kann
über den sogenannten ‚Schleich-
pfad‘ den Rückweg in Richtung
Appenthal antreten.
|
WW
INFO
Touristinformation VG
Lambrecht, Tel. 06325/181-
110,
Elmstein:
Naturrohstoff als Namensgeber des Ortsteils
Erinnerung an frühes Gewerbe
Das Modell eines sogenannten Harz-
ofens finden Besucher am nördlichen
Ortsausgang von Appenthal. Anlass
zu seiner Errichtung sei 2004 das An-
schneiden eines Harzofenfragmentes
bei der Ausschachtung einer Baugru-
be im Herbst 1999 gewesen, wie der
inzwischen verstorbene Autor Frido-
lin Heintz damals schrieb.
Ihm zufolge sei dem Mitglied des his-
torischen Vereins Alte Kirchenruine Ap-
penthal, Erwin Haag, im Aushub
schwarzverkohlte Sandsteine und harz-
verklebte Erdbrocken aufgefallen und
war sich sicher, dass es sich in einem
Ortsteil mit dem Namen Harzofen um
die Überreste eines Harzofens handeln
müsse. Weil das Landesamt für Denk-
malpflege den Fund nicht als erhaltungs-
würdig erachtete, ließ die Vorstand-
schaften der Dorfgemeinschaft Appen-
thal und des historischen Vereins Alte
Kirchenruine Appenthal von heimi-
schen Handwerkern ein Modell errich-
ten, das bis heute an das hier ausgeüb-
te ehemalige Waldgewerbe erinnert.
In der Pfalz wurzelt die Harzgewinnung
im 17. Jahrhundert. Gewonnen wurde
die zähe Flüssigkeit aus Nadelbäumen.
An ihren Stämmen wurden Stellen von
Rinde befreit und fischgrätenartig ein-
geritzt oder ihr harzhaltiges Holz wur-
de in dafür gebauten Harzöfen ausge-
schwelt. Aus dem Harz wurden Grund-
stoffe für chemische Produkte wie Sei-
fen, Farben, Abdicht- und Schmiermit-
tel sowie Pech hergestellt.
|
Red
2004 erbaut: Harzofen im gleichna-
migen Ortsteil.
Foto: Pia Neumann
Foto: Pia Neumann
INFO
Über Harzgewinnung:
Buch „Altes Handwerk
und Gewerbe in der Pfalz,
Pfälzerwald“ von Helmut
Seebach; Harzofen: Ausga-
be 11, „Geschichte und
Geschichten aus der Hei-
mat“ des Förderkreises
Kirchenruine Appenthal
Vorgestellt: Lichtensteinhütte Neidenfels
Bei der Übersicht über die Hüt-
ten von Pfälzerwald-Verein und
Naturfreunden im Landkreis Bad
Dürkheim in der Ausgabe 5/2018
ist uns leider ein Fehler unterlau-
fen: Wir haben die Lichtenstein-
hütte in Neidenfels vergessen.
Hierfür möchten wir uns bei der
Ortsgruppe und allen Wander-
freunden entschuldigen.
Die von Vereinsmitgliedern eh-
renamtlich bewirtschaftete Hütte
am Waldrand bei Neidenfels bie-
tet warme und kalte Pfälzer Kü-
che. Sie ist mit dem Auto erreich-
bar und ein guter Ausgangspunkt
für Wanderungen, etwa zur Burg-
ruine Neidenfels. Der Gastraum
für rund 60 Personen kann für
Veranstaltungen gemietet wer-
den, Grillmöglichkeiten sind
ebenfalls vorhanden.
Im Obergeschoss mit einer
Selbstversorgerküche können bis
zu elf Personen übernachten.
Reservierungen: 06325/980189.
PWV Neidenfels, Hintertalstra-
ße 50, 67468 Neidenfels, Telefon
06325/7605 (Öffnungszeiten),
, geöff-
net: Mi/Sa 13-19 Uhr, So 11-19
Uhr, an Feiertagen geschlossen
Foto: PWV Neidenfels
1...,8,9,10,11,12,13,14-15,16,17,18 20,21,22,23,24,25,26,27,28
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