DÜW-Journal - page 18

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Familienausflüge mit Axt und Säge:
Weihnachtsbäume aus dem Pfälzerwald erfreuen sich immer größerer Beliebtheit
Das kleine Abenteuer im Advent
„Nehmen wir den?“ „Nein, der ist
nicht dicht genug!“ Ein kurzer Dia-
log am Samstag vor dem dritten Ad-
vent. Aufgeschnappt früh morgens
im Wald bei Höningen (Landkreis
Bad Dürkheim). Das Paar greift nach
Beil und Säge und geht zielstrebig
ein Stück weiter. Kurz darauf sie: „Ich
finde den besser.“ Er pflichtet bei:
„Der sieht aber gut aus.“ Wenige Mi-
nuten später tragen die beiden ge-
meinsam „ihre“ Fichte auf dem Wald-
weg in Richtung Parkplatz Langen-
thal. Dort steht Förster Markus Leu-
teneker an der Kasse. Nach dem Be-
zahlen wird noch das Transportnetz
über den frisch geschlagenen Baum
gezogen und es geht los. Jetzt kann
das Fest kommen.
Selbst Weihnachtsbäume schlagen hat
mittlerweile Tradition im Pfälzerwald.
Immer mehr Menschen lieben das klei-
ne Abenteuer in der Adventszeit. Am
Parkplatz Langenthal herrscht schon
vor dem offiziellen Beginn um 10 Uhr
reger Betrieb. Sie kommen in Autos
mit Gepäckträgern oder Anhängern.
Beile und Sägen, zum Teil sogar mit
Motor, werden ausgeladen. Manche rü-
cken in Truppenstärke an. Andere al-
leine oder als Paar. Und dann sind da
noch viele Familien, die den Weih-
nachtsbaum gemeinsam auswählen.
„Die Kinder wollen sehen, wo der Baum
herkommt“, erklärt ein Opa aus Lud-
wigshafen, der zusammen mit den bei-
den Enkeln und deren Vater angereist
ist. Letzterer ergänzt: „Der Baum ist
hier auch frischer und hält länger.“
Nicht alles aus heimischem Forst
Die Forstämter bieten in der Advents-
zeit zahlreiche Termine an. Vor Ort
sind zudem bereits geschlagene und
zugekaufte Bäume erhältlich. „Die be-
liebte Nordmanntanne wächst im Pfäl-
zerwald nicht“, nennt Joachim Weirich
vom Forstamt Bad Dürkheim einen der
Gründe dafür. Außerdem brauchen die
Bäume Zeit zum Wachsen. Mindestens
zehn Jahre, um etwa zwei Meter groß
zu werden. Die Faustregel zur Alters-
schätzung: pro Jahr wächst ein Kranz
mit Ästen. Die wichtigste Maßnahme,
die mit dafür sorgt, dass die Weih-
nachtsbäume groß genug werden, ist
übrigens das Abzäunen der Kulturen.
Nur so lassen sich Wildschweine da-
von abhalten, die Setzlinge mit viel
Stärke in den Wurzeln zu fressen. Spä-
ter verhindern die Zäune außerdem,
dass Rehe, die das frische Grün der
Knospen lieben, diese abknabbern.
Der Verkauf der Weihnachtsbäume sei
kein Geschäft, sagt Joachim Weirich.
„Für uns sind diese Termine aber eine
Chance, unsere Inhalte zu transportie-
ren, weil wir ins Gespräch kommen“,
nennt er sie eine besondere Form der
Öffentlichkeitsarbeit.
Grün als Mutmacher im Winter
Zudem erfülle man den Menschen ein
Bedürfnis. Denn das Grün im weih-
nachtlichen Wohnzimmer, eine Tradi-
tion über viele Jahrzehnte, sei „ein Trös-
ter und mache Mut, dass nach dem
Winter die Vegetation wieder losgeht“.
Wichtig ist Joachim Weirich der Hin-
weis, dass sich auch die Kiefer als Weih-
nachtsbaum eignet. Sie ist die am meis-
ten verbreitete Baumart im Pfälzerwald.
In den dortigen Kulturen wachsen an-
sonsten überwiegend Fichten und Tan-
nen. Wie man diese unterscheidet? „Die
Fichte sticht, die Tanne nicht“, erklärt
Joachim Weirich. Über 70 Prozent al-
ler Weihnachtsbäume – in Deutsch-
land werden pro Jahr rund 30 Millio-
nen verkauft, davon knapp 2 Millio-
nen in Rheinland-Pfalz – sind nach wie
vor Nordmanntannen, die überwie-
gend aus landwirtschaftlichen Planta-
gen stammen. Ursprünglich sind die-
se in unseren Breiten gar nicht gewach-
sen, weshalb die Entscheidung für eine
regionale Baumart wie Fichte, Kiefer
oder Tanne, immer die bessere ist.
Denn auch beim Weihnachtsbaum gilt,
kurze Transportwege wirken sich po-
sitiv auf die Ökobilanz aus. Seit 2016
gibt es in Rheinland- Pfalz sogar
Öko-Weihnachtsbäume, die mit einem
„Forest Stewardship Council (FSC)-Sie-
gel zertifiziert sind. Voraussetzung da-
für ist ein sozial- und umweltverträg-
licher Anbau ohne Mineraldünger und
Pestizide. Diese Weihnachtsbäume wer-
den mit steigender Stückzahl nach und
nach zu einer Alternative zu Bäumen
aus riesigen Baumkulturen.
Umweltschonende Alternative
Schon heute sind die Blaufichten und
Weißtannen aus dem Pfälzerwald bei
Höningen eine Alternative. Selbst die
zugekauften Christbäume, die hier
angeboten werden, stammen aus
Rheinland-Pfalz. Forstunternehmer
Alois Hörl holt sie aus dem Hunsrück.
Am Ende des Tages sind rund 200
Bäume verkauft – je 100 selbst ge-
schlagene und angekaufte. „Die sind
alle ganz neidisch auf unseren Baum“,
meint ein kleiner Junge strahlend, der
an der Packstation „seinen“ Baum
nicht mehr aus den Augen lässt. Der-
weil gibt es einen kleinen Rückstau
an der Kasse. Der frotzelnde Kom-
mentar dazu: „Das ist ja fast wie beim
Aldi an der Kasse.“ Die Atmosphäre
im Wald bei Höningen ist aber an-
sonsten eine völlig andere. Längst lo-
dert ein heimeliges Lagerfeuer. Und
Wildbratwürste und Glühwein mun-
den nach getaner Arbeit ganz beson-
ders gut.
|
Michael Dostal
„Beute“: ein selbstgeschlagener Christbaum bringt Freude.
Foto: TIZIE Photographie
Ausflug mit Axt und Säge: Christ-
baum-Aktionen.
Foto: TIZIE Photographie
Zur Sache:
Neues „Weinland Pfalz“-Magazin
Der Text von Michael Dostal (Viel-
Pfalz,
) ist ein
Abdruck aus der neuen Ausgabe
des „Weinland Pfalz“-Magazins. Als
Ergänzung zum Gastgeberverzeich-
nis 2019/2020 soll es Lust auf die
Pfalz und die Deutsche Weinstraße
machen. Magazin und Gastgeber-
verzeichnis sind kostenlos erhältlich
beim Verein Deutsche Weinstra-
ße-Mittelhaardt- und bei den Tou-
rist-Informationen an der Deutschen
Weinstraße – und gespickt mit vielen
weiteren interessanten Geschichten.
Touristische Betriebe wie Vermie-
ter von Ferienwohnungen, Hotels
und Gastronomie können kostenlos
mehrere Exemplare anfordern, um
sie auszulegen.
|
Red
Tipps rund um den Weihnachtsbaum
Lagerung
Baum an kühlem Platz, am
besten im Freien, stehend lagern
Vor direkter Sonneneinstrah-
lung schützen
Am Fuß des Stammes eine
etwa zwei Zentimeter große
Scheibe abschneiden und den
Baum in einen Eimer mit Wasser
stellen (eventuell auch den ge-
samten Baum mit Wasser benet-
zen)
Das Baumnetz immer von un-
ten nach oben öffnen
Vorbereitung an Heiligabend
Baum so spät wie möglich ins
Zimmer holen
Vor dem Aufstellen am
Stammende beschneiden
Baumständer mit Wasserreser-
voir benutzen und immer über-
prüfen, ob noch genug Wasser
drin ist
Den Baum zusätzlich einmal
täglich mit dem Wasserzerstäu-
ber leicht befeuchten
Wir wünschen ein frohes Fest!
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