DÜW-Journal - page 11

11
KURSE
Sprache in Hobby und Beruf
Schreib doch mal Geschichten!
Die Teilnehmer werden zum
Entdecken der eigenen Sprache
und zum Experimentieren mit
Themen und Schreibstilen er-
muntert. Thema sind Charaktere,
Blickwinkel, Erzählweisen, Kon-
flikte und vieles mehr, was eine
Geschichte ausmacht.
Kreisvolkshochschule, Ge-
schäftsstelle Bad Dürkheim,
Raum 4, Fr 13.1., 18-21 Uhr +
Sa 14.1., 10-16 Uhr + So 15.1.,
9.30-13.30 Uhr, Info:
06322/961-2401
Englisch: Grammatik kompakt
In diesem Kompakt-Kurs wer-
den die wichtigsten grammatika-
lischen Regeln der englischen
Sprache erläutert und geübt.
Voraussetzung sind allerdings
gute Vorkenntnissen.
Kvhs, Geschäftsstelle Bad Dürk-
heim, Raum 1, Sa 4.2., 9-16
Uhr, Info: 06322/961-2401
NEU: Englisch für den Beruf,
Schwerpunkt: Sprechen
Dozentin Dina Schüle ist Über-
setzerin und hat ein englisches
Sprachzertifikat für fortgeschrit-
tene Trainer, die Geschäftseng-
lisch unterrichten. Die Einzel-
schwerpunkte:
Im Büro:
Der Kurs spielt einen
Tag im Büro durch mit typischen
Redewendungen, verschiedenen
Arten der Kommunikation sowie
dem Umgang mit Kunden.
Im Restaurant:
Die Teilnehmer
reden über Essen und Getränke.
Es gibt Informationen rund ums
Thema „Gäste bewirten“.
Leitung und Management:
Es
werden Anforderungen und Auf-
gabengebiete sowie Work-Life-
Balance beleuchtet.
Kulturelles Bewusstsein:
Andere
Länder, andere Sitten: Thema
sind das Verhalten und der Um-
gang mit Kunden vom Ausland.
Grammatik:
Present Perfect,
Abkürzungen, Steigerungsfor-
men, Aktiv-Passiv, False Friends’
Kvhs, Geschäftsstelle Bad Dürk-
heim, Raum 3: Mo 19.6. bis Fr
23.6., 9-15 Uhr, Info:
06322/961-2401
Resilienz via Mobbing
Dieses Seminar für Mob-
bing-Opfer ist keine Therapie,
sondern es gibt Einblicke in die
Grundlagen des Themas und in
lösungsorientierte Methoden.
Kvhs, Geschäftsstelle Bad Dürk-
heim, Raum 3, Mo 24.4. bis Fr
28.4., 9-17 Uhr, Info:
06322/961-2401
Freinsheim:
Lamya Abou Jarad wird Referentin der Kreisvolkshoschule
Weg ins selbstbestimmte Leben
Zwischen Nahost und West: Lamya Abou Jarad Mitte der 90er Jahre in Gaza
(rechts im Bild) und heute.
Brachte vor Jahren auch ein Stück deutsche Kultur nach Gaza: Mit Schulkin-
dern, die das nicht kannten, bastelte sie Papierkronen.
Fotos: privat
Es war ein schwerer, steiniger Weg,
den Lamya Abou Jarad zurücklegen
musste. Doch sie hat es geschafft: Vor
einem Jahr wurde sie offiziell einge-
bürgert. Die in Gaza geborene und
aufgewachsene Palästinenserin führt
heute in Freinsheim mit ihrer Fami-
lie ein selbstbestimmtes Leben, enga-
giert sich in der Flüchtlingshilfe und
ist Referentin an der Kreisvolkshoch-
schule. Im Januar leitet sie das Wo-
chenendseminar „Arabisch und ara-
bische Kultur“ in Bad Dürkheim.
Die Begrüßung ist herzlich, der Tisch
im geschmackvoll eingerichteten Wohn-
zimmer ist liebevoll gedeckt. Das Man-
delgebäck und die Schokofrüchte dar-
auf duften verführerisch und passen
hervorragend zum würzigen arabischen
Kaffee, den Lamya auf Wunsch des Gas-
tes zubereitet. Sie hatte zuvor auch deut-
schen Kaffee zur Wahl angeboten.
Lamya versteht es, in beiden Welten zu
leben, beiden Kulturen das Beste abzu-
gewinnen. Sie tritt selbstbewusst auf,
kleidet sich modern, spricht nahezu per-
fekt deutsch, aber ihr Herz gehört auch
noch ihrer ursprünglichen Heimat Pa-
lästina. Ihre kulturellen Wurzeln ver-
leugnen möchte Lamya nicht. Im Ga-
zastreifen, dessen Grenzen nach allen
Seiten abgeriegelt sind, wo Gewalt und
kriegerische Auseinandersetzungen auf-
grund der israelischen Siedlungspolitik
den Alltag bis heute prägen, leben noch
ihre Mutter und weitere Verwandte.
Sie habe schon noch Heimweh, gesteht
Lamya, die fürchtet, dass sie ihre über
80-jährige Mutter vielleicht nicht mehr
lebend wiedersehen wird: „Wir haben
bei jeder Botschaft angefragt, in Deutsch-
land, in Israel, in Ägypten. Niemand
kann uns garantieren, dass wir nach ei-
nem Besuch noch mal aus Gaza raus-
kommen.“
Familie auf Erfolgskurs
Zugleich ist Lamya glücklich und dank-
bar, dass sie und ihre Kinder nun end-
lich „richtig“ angekommen sind. Ihr
Ehemann Shauki, selbst vor mehr als
zwei Jahrzehnten aus Gaza nach
Deutschland gekommen, arbeitet als
Elektro-Ingenieur in Lampertheim. Ihre
vier Kinder sind hier geboren. Hadil,
die älteste Tochter, ist 21 und macht ein
duales Studium in Heidelberg. „Die Bil-
der an den Wänden sind alle von ihr“,
erzählt Lamya. Sie sind großformatig
und in Öl auf Leinwand gemalt. Hanin,
die zweitälteste, ist 20 und studiert So-
zialwissenschaften in Mannheim. Au-
ßerdem arbeitet sie in Mannheim in ei-
nem Marktforschungsinstitut. Auch sie
engagiert sich ehrenamtlich in der
Flüchtlingshilfe, hat eine Patenschaft
übernommen. Der 18-jährige Suheil
macht gerade sein Abitur. Ahmad, der
jüngste, ist ein siebenjähriges Energie-
bündel mit lustigem Lockenkopf. Er
spielt Fußball im Verein. „Und er macht
auch sonst noch ganz viel“, lacht Lamya.
Auf ihre Familie ist die 51-Jährige ganz
besonders stolz. Vor allem ihrer Kin-
der wegen hat sie sich seit den frühen
90ern durch viele Widrigkeiten ge-
kämpft. Damals war sie Shauki nach
Deutschland gefolgt, der in Darmstadt
Elektrotechnik studierte. Auch sie ging
an die Uni, musste das Studium jedoch
abbrechen, als die drei ältesten Kinder
zur Welt kamen. Weil sie dadurch kein
Studentenvisum mehr hatte, wurde sie
ausgewiesen. „In Gaza herrschte Krieg.
Dort konnte ich mit meinen drei klei-
nen Kindern einfach nicht bleiben“, er-
innert sie sich. Sie flüchtete nach
Deutschland zurück, wo ihr Asyl ge-
währt wurde – bei ihrem Mann in Hes-
sen bleiben und arbeiten durfte sie aber
nicht. Ihr und den Kindern wurde von
den Behörden eine Bleibe in Nord-
rhein-Westfalen nahe der holländischen
Grenze zugewiesen.
Akzeptanz erkämpft
Das Wohnviertel sei einem Ghetto ähn-
lich gewesen. Im Ort habe man sie und
ihre Kinder entsprechend gemieden.
Auch in der Schule sei es für ihre Kin-
der sehr schwer gewesen, Anschluss
zu finden. Lamya bat die Lehrerin um
Hilfe, lud auf deren Rat hin immer wie-
der Mitschüler zu sich nach Hause ein.
Irgendwann war das Eis gebrochen,
die Familie wurde akzeptiert. „Alle fan-
den meine Mama ganz toll“, erinnert
sich Tochter Hanin schmunzelnd an
diesen ersten Durchbruch. Doch erst
nach Jahren, nach weiteren Stationen,
die auch Schulwechsel für die inzwi-
schen drei Kinder mit sich brachten
und diese immer wieder entwurzelten,
und nachdem Shauki als Elektroinge-
nieur Arbeit gefunden hatte und seine
Familie zu sich holen konnte, ging es
wirklich aufwärts. Hörte die Unsicher-
heit auf. Kam die Familie endlich zur
Ruhe. Lamya erhielt die Aufenthaltsge-
nehmigung auf Dauer und schließlich
die deutsche Staatsbürgerschaft.
Brücke zwischen den Kulturen
Weil sie für die Einbürgerung selbst
noch Deutschkurse bei der Volkshoch-
schule belegt hatte und oft für Flücht-
linge als Dolmetscherin tätig ist, kam
ihr die Idee, sich als Dozentin bei der
Kreisvolkshochschule zu melden. In
ihren Kursen will sie nicht nur die Spra-
che, sondern auch die arabische Le-
bensweise vermitteln und so Brücken
zwischen den Kulturen schlagen. Ih-
ren Kurs bereitet sie gerade akribisch
vor, überlässt nichts dem Zufall, so wie
sie alles in ihrem Leben mit Ausdauer
und Zielstrebigkeit bewerkstelligte.
Lamya Abou Jarad wird vielleicht im
Herzen immer ein bisschen zwischen
zwei Welten stehen. Ihr wurden viele
Steine in den Weg gelegt. Doch sie hat
es verstanden, daraus ein Fundament
für ein besseres Leben zu bauen – für
sich, vor allem aber für ihre Kinder.
INFO
Kurs „Arabisch und die
arabische Kultur“: Sa 14.1.
und So 15.1., je 10-14 Uhr,
Kvhs-Geschäftsstelle Bad
Dürkheim, Raum 2, An-
meldung: 06322/9612401
online anmelden unter
1...,2,3,4,5,6,7,8,9,10 12,13,14-15,16,17,18,19,20,21,22,...28
Powered by FlippingBook