DÜW-Journal - page 5

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Landkreis Bad Dürkheim:
Deponiesanierung als Schwerpunktaufgabe des Abfallwirtschaftsbetriebs
Drei Phasen bis zur freien Nutzung
Jahrzehnte lang wurde der Müll wahl-
los auf Halden gekippt. Mit teils fa-
talen Folgen für die Umwelt. Inzwi-
schen gelten strenge Richtlinien und
Gesetze für die Abfallentsorgung. Zu-
gleich muss die Schadstoff-Emission
aus alten, verfüllten Müllkippen mi-
nimiert werden. Die Deponiesanie-
rung stellt die Landkreise vor große
Herausforderungen, da Deponie nicht
gleich Deponie war und ist. Der Ab-
fallwirtschaftsbetrieb (AWB) ist da-
für aber bestens gerüstet.
Bernd Lache, als technischer Leiter
des AWB für die Deponiesanierungen
zuständig, kann vorab eine stolze Bi-
lanz verkünden: Durch kluges Wirt-
schaften verfügt der AWB noch über
Rückstellungen in Höhe von 18 Milli-
onen Euro, die für die künftig anfal-
lenden Sanierungsmaßnahmen ver-
wendet werden. Damit ist der Land-
kreis Bad Dürkheim gegenüber ande-
ren klar im Vorteil. „Die Rückstellun-
gen stammen nicht aus den Abfallge-
bühren, sondern wurden aus dem Be-
trieb der Deponien und Photovoltaik-
anlagen sowie der Gasverstromung
erwirtschaftet“, betont Lache. Bis alle
Deponien im Landkreis saniert sind,
werden allerdings noch viele Jahre ins
Land gehen. Eine Lebensaufgabe für
Bernd Lache und seine Mitarbeiter.
Denn Mülldeponien durchlaufen sei-
nen Angaben nach zunächst drei Pha-
sen, bis die Flächen in Phase vier wie-
der als schadstofffrei gelten und für
jegliche Nutzung, ob als Bauland oder
für die Freizeitgestaltung, freigegeben
werden:
1. Betriebsphase:
In dieser Zeit werden noch laufende
Deponien mit Müll verfüllt. Seit 2005
dürfen nur noch nicht brennbare mi-
neralische Abfälle deponiert werden.
Je nach Deponieklasse können sie
eine unterschiedlich hohe Schadstoff-
belastung aufweisen. Je höher die er-
laubte Schadstoffbelastung ist, umso
mehr Geld kann der Betreiber verdie-
nen. Lache: „Da wo es sinnvoll ist,
werden mehr belastete mineralische
Abfälle eingebaut. Mit diesen Einnah-
men können andere Deponien saniert
werden.“
2. Stilllegungsphase:
„Letzten Endes soll in dieser Phase er-
reicht werden, dass keine Emissionen
mehr von der Deponie ausgehen, also
kein Gas mehr ausströmt und keine
Schadstoffe mehr ins Grundwasser ge-
langen.“ In der Stillegungsphase wird
ein auf den jeweiligen Standort zuge-
schnittenes Konzept erstellt, dem die
Struktur- und Genehmigungsdirekti-
on Süd (SGD) in Neustadt zustimmen
muss. „Es wird in mehreren Bauab-
schnitten mit großem finanziellem Auf-
wand umgesetzt, aber ohne Belastung
der Gebührenzahler dank der vorhan-
denen Rückstellungen“, erklärt Lache.
In einem ersten Schritt wird das Ge-
lände mit chemischen wie physikali-
schen Messungen erkundet. Gleich-
zeitig versuche man mittels Recher-
chen und Befragungen so genau wie
möglich herauszufinden, was an die-
ser Stelle abgelagert wurde. Die Er-
gebnisse der Erkundung bedingen die
weiteren Maßnahmen und Bauab-
schnitte. „Wenn sich bei Messungen
kein Gas findet, ist alles okay“, so La-
che. „Findet sich Gas, wird analysiert,
welche Wertigkeit es hat.“ Hochwer-
tiges CH4 könne über Motoren wie
Erdgas in einem normalen Kraftwerk
verstromt werden. Eigne sich das Gas
dafür nicht, stehen andere Techniken
wie Katalysator, Turbine oder Fackel
zur Verfügung. Darüber hinaus gelte
es, die Belastung des Grundwassers
zu minimieren. Wo möglich, werde
das Sickerwasser aufgefangen und ge-
reinigt. In jedem Fall komme aber „ein
Deckel drauf“: eine Abdichtung, die
verhindert, dass Regenwasser durch-
sickert. Die Bandbreite des Materials,
das dafür genutzt wird, reicht von Ton
bis hin zu Kunststoff. „Wir suchen im-
mer neue und gute Wege, für die Ab-
dichtung geeignete Abfallstoffe zu ver-
werten“, betont Lache. So werde Schla-
cke aus der Müllverbrennung und Bau-
schutt vor frischem Material aus dem
Steinbruch stets bevorzugt. „Das ist
kostensparend. Außerdem ist es für
den AWB erste Pflicht, Abfälle zu ver-
werten, wo wir selbst Bauherr sind.“
Die Aufwendungen für die Stilllegungs-
phase variieren Laches Angaben zu-
folge und können von 200.000 Euro
in einfachen Fällen bis hin zu sechs
Millionen Euro bei aufwändigen Sa-
nierungen reichen. Dem stehen Ein-
nahmen durch die Nutzung gegen-
über: Die Stromerzeugung in Friedels-
heim hat laut Lache bislang etwa rund
130.000 Euro pro Jahr eingebracht.
Sind alle Maßnahmen abgeschlossen,
kann in neuerlicher Abstimmung mit
der SGD Phase drei starten.
3. Nachsorgephase:
In dieser Phase werden die Emissio-
nen regelmäßig gemessen und von La-
bors ausgewertet, die Abdichtung wird
stets kontrolliert und im Bedarfsfall
erneuert, ebenso wie die Zäune. Und
auch für alle technischen Anlagen, die
sich auf der Deponie befinden, ist der
AWB weiterhin zuständig, etwa die
Wetterstationen oder die Motoren. „Für
die Deponie in Friedelsheim haben
wir einen Katalog von 50 Punkten, die
abgearbeitet und in einem jährlichen
Deponiebericht an die SGD dokumen-
tiert werden müssen“, erklärt Lache.
„Die Kosten für die Maßnahmen in
dieser Phase belaufen sich je nach
Standort grob geschätzt auf zwischen
5000 und 50.000 Euro.“ Erst wenn kei-
ne Emissionen mehr messbar sind, gilt
der Standort als sauber und kann für
Nutzung in der Nachsorgephase: Auf der ehemaligen Kreismülldeponie in Frie-
delsheim ist ein Wertstoffhof beheimatet.
Einladend: Stühle vom Wertstoffhof beim Tag der offenen Tür.
DEPONIEN IM LANDKREIS BAD DÜRKHEIM
Der Abfallwirtschaftsbetrieb
(AWB) steht bei der Deponiesa-
nierung in der Verantwortung
für alle Standorte im Landkreis,
die nach 1972 noch in Betrieb
gewesen sind. Damals griff das
erste Abfallwirtschaftsgesetz, das
die Landkreise in die Zuständig-
keit nahm. Vorher gab es nur
gemeindliche Müllkippen. Ge-
meinden, die ihre Müllkippen
vor dem Jahr 1972 komplett ver-
füllt hatten, sind heute auch für
deren Sanierung zuständig. Die
Deponien, die noch in Betrieb
waren, hat der Kreis 1972 per
Gesetz übernommen. So gibt es
heute an 14 Standorten im Land-
kreis Deponie-Altlasten, die der
AWB sukzessive sanieren muss.
Der Stand der Erkundungs- und
Sanierungsmaßnahmen befindet
sich je nach Standort in unter-
schiedlichen Phasen.
Die Standorte:
• Altleiningen
• Bad Dürkheim Feuerberg
• Friedelsheim
• Ebertsheim
• Ellerstadt
• Elmstein
• Esthal
• Lindenberg
• Forst
• Freinsheim
• Großkarlbach
• Haßloch Neustadter Straße
• Haßloch Mußbacher Weg
• Haßloch Meckenheimer Straße
die weitere Nutzung freigegeben wer-
den: Phase vier.
„Die Sanierung der 14 Deponien im
Kreis gestaltet sich unterschiedlich auf-
wändig“, betont Lache. In Haßloch am
Mußbacher Weg müsse man etwa nur
die Emissionswerte beobachten. „Hier
werde ich die Phase vier vielleicht noch
erleben.“ Friedelsheim befinde sich noch
in der aufwändigen Stilllegungsphase.
Man rechne im Moment damit, dass die
Emissionsentwicklung erst in 30 Jahren
den Übergang zu Phase vier zulasse.
Und auch das sei nicht sicher: „Mein
Ziel ist es, bis zu meiner Rente überall
zumindest Phase drei zu erreichen.“
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