DÜW-Journal - page 20

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INFO
Lokaler Aktionsplan
Bad Dürkheim (LAP)
Gegen Rechts, für mehr Tole-
ranz: Projekte und Initiativen,
die sich dafür eingesetzt haben,
bündelte im Landkreis bis Ende
2014 der LAP. Er wurde wieder-
um durch verschiedene Bundes-
programme gefördert, zuletzt im
Rahmen von „Toleranz fördern
– Kompetenz stärken“. Dieses
Förderprogramm, das am
1.1.2011 gestartet wurde, lief
zum 31.12.2014 aus. Der Land-
kreis kann diese finanzielle Lü-
cke für den Aktionsplan nicht
füllen. Seit 1.1. gibt es den LAP
daher nicht mehr. Der LAP war
seit 2007/2008 beim Landkreis
Bad Dürkheim angesiedelt. Bis
zu 19 Projekte startete der LAP
pro Jahr. Aus dem Bundespro-
gramm flossen dafür pro Jahr
45.000 Euro insgesamt. Neben
den Aktionen wurden auch Wer-
bemittel und die Stelle der Koor-
dinatorin Diana Hübner-Wendel
aus den Fördermitteln finanziert.
„Es gab so viele tolle Projekte,
wir gehen davon aus, dass der
LAP so nachhaltig war, dass er
auch ohne uns weiterwirkt“, so
der Erste Kreisbeigeordnete
Claus Potje.
Rückblick und Höhepunkte
Initialzündung im Jahr 2007
Zwei Häuser im Landkreis wur-
den von der NPD angemietet.
Die Partei wollte dort einen Ju-
gendtreff einrichten. Das war die
Initialzündung für die Gründung
des LAP. Er stand unter dem
Motto „LAP – Zusammen stark“
und wurde zunächst vom Bun-
desprogramm „Vielfalt tut gut“
gefördert. Erste Initiativen folg-
ten. In den Folgejahren gab es
zum Teil bis zu 20 Aktionen.
Hier ein paar Beispiele:
2007:
Das Album „Tolleranz“
wird aufgenommen: Jugendliche
singen und rappen in verschie-
denen Sprachen, werben musi-
kalisch für Toleranz und geben
Schulkonzerte.
2009:
Die Landjugend aktiviert
18 Jugendliche, die aus Protest
gegen rechte Sprayer eine viertä-
gige Kerwe in Erpolzheim orga-
nisieren. Auf dem Programm
stehen Live-Musik und eine Aus-
stellung zum Thema „Jugend für
Vielfalt und Toleranz“
2009:
Die erste „Ich bin
stolz“-Kampagne steigt (2014
wiederholt, siehe Beitrag rechts).
2012:
Courage Scouts werden
ausgebildet. Sie fördern Zivil-
courage an Schulen. Rund 25
Schulen veranstalten einen ge-
meinsamen Jugendkongress ge-
gen Rechts.
2013:
Eine Ausstellung beleuch-
tet die Gräueltaten der NS-Psy-
chiatrie in der Pfalz. Sie erreicht
720 Besucher, davon 350 Schü-
ler. Die Thematik wurde auch
im Unterricht aufgegriffen.
2014:
Die Aktionswoche De-
menz „Vergessenes Leben“ mit
insgesamt sieben Veranstaltun-
gen lockt 330 Besucher.
Landkreis Bad Dürkheim:
Plakate werben für Toleranz
Plakate bringen zusammen, was viele nicht erwarten: Menschen mit Migrationshintergrund, die gut integriert sind.
Stolz auf bunte Vielfalt
„Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“
– mit diesem Satz sprachen zum Jah-
resende ausländische Mitbürgerin-
nen und Mitbürger von großen Pla-
katen im ganzen Landkreis Bad Dür-
kheim. Zwei männliche und zwei
weibliche Models unterschiedlicher
Herkunft warben mit diesem Satz für
mehr Toleranz. Die dazugehörigen
Lebensgeschichten sind auf der
Homepage des Lokalen Aktionsplans
Bad Dürkheim abrufbar.
Zum ersten Mal startete die Plakatak-
tion 2009, vor Weihnachten 2014 wur-
de sie neu aufgelegt. Träger ist das Pro-
testantische Dekanat Bad Dürkheim in
Kooperation mit der Kreisverwaltung
Bad Dürkheim. „Es ist eine Zusammen-
arbeit zwischen Politik und Kirche,
über die wir sehr froh sind“, so der Ers-
te Kreisbeigeordnete Claus Potje. „Es
ist ein wichtiges Thema, ich freue mich,
dass wir die Kampagne nochmal ma-
chen konnten.“
„Sprache hat Macht“
Die Grundidee ist auch fünf Jahre spä-
ter noch die gleiche: „Es kann nicht
sein, dass eine Klientel die Sprache be-
setzt und andere sie nicht mehr benut-
zen“, sagt Dekanin Ulla Hoffmann. Sie
meint damit Begriffe wie Stolz, Ehre,
Heimat – ein ganzes Wortfeld, das
durch rechtsextreme Parolen negativ
besetzt ist. „Die Sprache hat Macht.
Aber wir geben Inhalte auf, wenn wir
Sprache aufgeben. Wir sollten Sprache
vollständig benutzen können und dür-
fen uns das nicht nehmen lassen.“ Die
Plakate bringen das zusammen, was
der Betrachter zunächst nicht erwar-
tet. „Doch das ist Realität in unserem
Land. Es ist normal, dass Deutschland
bunt ist“, betont die Dekanin. Gerade
in einer Zeit, in der Deutschland im-
mer mehr Flüchtlinge empfängt, sei es
wichtig, dass wir uns dessen bewusst
werden. Und dass wir mehr voneinan-
der wissen. „Wir brauchen viel Wissen,
das fehlt momentan. Wir müssen mehr
übereinander erfahren.“ Das helfe,
Ängste abzubauen und besser mitein-
ander umzugehen. Die Plakatkampa-
gne macht auf die verschiedenen Kul-
turen, die alle zu Deutschland beitra-
gen, aufmerksam und hilft, die Spra-
che wieder an sich zu nehmen. Hoff-
mann und Potje sprechen von einer
„wirkungsvollen Aktion“, sie hätten
schon viele positive Rückmeldungen
erhalten.
Geschichten der Integration
Die 19 Plakate hingen ab 21. Novem-
ber, ab 16. Dezember bis mindestens
29. Dezember hingen sogar 34 Stück
über den ganzen Kreis verteilt. Die In-
tegrationsgeschichten sind auf der
Homepage
zu fin-
den. Zusätzlich wurden Postkarten an
verschiedenen Plätzen verteilt, die di-
rekt die Geschichten erzählen. Zu se-
hen sind Models, keine Gesichter aus
dem Landkreis. Auch die Lebensge-
schichten sind von realen Geschichten
inspiriert, aber abgewandelt. „Wir hat-
ten echte Menschen mit ihren Geschich-
ten aus der Region, die gerne mitma-
chen wollten. Aber der Verfassungs-
schutz hat uns davon abgeraten“, er-
klärt Hoffmann. Die Sicherheit der Per-
sonen sei in Gefahr. „Es gibt Leute, die
nicht damit klar kommen, dass diese
Personen zu ihrer deutschen Nationa-
lität stehen.“ Auch in dieser Hinsicht
zeige die Kampagne, dass rechtes Ge-
dankengut leider in Deutschland all-
gegenwärtig ist. „Dem muss man sich
stellen.“
Aktion wieder aufleben lassen
Die Großraumkampagne für Werbe-
flächen war eine Aktion des Lokalen
Aktionsplans, der im Rahmen des Bun-
desprogramms „Toleranz fördern –
Kompetenz stärken“ des Bundesminis-
teriums für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend gefördert wurde. Dekanin
Hoffmann kann sich gut vorstellen, die
Aktion immer wieder aufleben zu las-
sen. „Sprache schafft Wirklichkeit. Wir
dürfen sie uns nicht von der braunen
Ecke wegnehmen lassen.“
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