DÜW-Journal - page 12

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Schaukeln fürs Gehirn, Wippen für den Spaß
Laumersheim:
Spaß an der Bewegung in der Kita „Grashüpfer“
Wenig sitzen, viel toben: In Bewegungskindergärten gibt es kaum Stühle,
dafür umso mehr Platz zum Rumtollen. Der Arbeitskreis Adipositas des Ge-
sundheitsamts setzt sich dafür ein, Übergewicht bei Kindern und Jugendli-
chen abzubauen. Ein Kindergarten, der voll auf Bewegung setzt, ist da ein
gutes Beispiel. Um Erzieherinnen von anderen Einrichtungen zu zeigen, wie
so ein Konzept aussehen kann, hat der Arbeitskreis im November nach Lau-
mersheim in die Bewegungskita „Grashüpfer“ geladen. Schnell wurde klar:
Es muss gar nicht teuer sein, die Bewegung von Kindern zu fördern.
Ein Mädchen lacht, während sie im blau-
en Fass durch den Garten kullert. Gleich
daneben sitzen zwei Jungs auf Autorei-
fen, die mit Seilen in den Baum gehängt
sind, und schaukeln heftig, bis einer be-
schließt, lieber von Reifen zu Reifen zu
klettern. In den Gruppenräumen gibt
es noch mehr Material zum Schieben,
Klettern, Balancieren. Der Kindergar-
ten „Grashüpfer“ ist seit drei Jahren im
Arbeitskreis Adipositas, seit 2007 ist er
Bewegungskita. „Ihr dürft bei uns Ab-
gucken“, begrüßt Kindergartenleiterin
Gabriele Heiser die Erzieherinnen fröh-
lich, die aus dem ganzen Landkreis ge-
kommen sind, um sich das Konzept an-
zuschauen.
„Wenn Kinder etwas dicker sind, soll-
ten sie sich nicht schämen müssen und
dennoch Spaß an der Bewegung ha-
ben“, erklärt Heiser die Idee. Rennen,
Fußball spielen – das falle dicken Kin-
dern schwer und sie hätten keine Lust
mitzumachen. Aber Schaukeln, Klet-
tern, Wippen – das könne jeder. „Di-
ckere Kinder haben oft keine Lust, sich
zu bewegen, weil es frustrierend ist.
Das soll hier nicht so sein.“ Dafür müss-
ten keine teuren Geräte angeschafft wer-
den, betont sie. Ein paar Elemente ge-
hören dennoch zur Grundausstattung,
wenn die Einrichtung das offizielle Sie-
gel „Bewegungskindergarten“ erhalten
möchte. „Eine Indoor-Schaukel ist ein
Muss“, weiß Heiser, und zeigt in einem
Raum der Kita auf ein stabiles Holzge-
rüst. Dort können Seile, Matten, Tücher
angehängt werden, damit ganze Schau-
kel- und Balancierlandschaften entste-
hen – zu jeder Jahreszeit, bei jedem
Wetter. „Das ist toll, die einen liegen,
die anderen schaukeln, es ist ein gan-
zer Raum zum Toben.“ Früher war hier
der Turnraum, aber in den jetzigen „Be-
wegungsraum“ dürfen die Kinder zu
fast jeder Zeit und in kleinen Gruppen
sogar alleine rein. Seile, Tücher, Bälle
dürfen sich die Kinder selbst aussuchen.
„Wir Menschen schaukeln nicht nur zur
Beruhigung oder weil es Spaß macht.
Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen,
dass das Gehirn dann strukturiert wird.
Das Denken wird angeregt, wir kön-
nen uns besser konzentrieren.“ Weiter
geht es in die Küche. Dort sind die Ti-
sche auf Rollen, die Kids können sie
selbst in Formation schieben. Wie die
Kleinen überhaupt viel selbst machen
dürfen in der Kita. Heiser erklärt, dass
gesunde Ernährung auch dazu gehört:
Jeden Tag gibt es frisches Obst, das die
Kinder vorbereiten.
Der Garten ermöglicht das Erleben al-
ler Elemente: „Sie lernen, wie man ein
Feuer ausmacht, das ist wichtig für die
Sicherheit.“ Steine, Sand, Erde, Gras, ganz
viele Materialien warten darauf, entdeckt
zu werden. Auch ein Kletterbaum. Da-
ran hat Heiser gemerkt, dass das Kon-
zept wirklich anschlägt: „Plötzlich klet-
tert da ein übergewichtiges Kind, das
sich vorher kaum bewegen wollte. Oder
eine Vierjährige, obwohl die meisten
erst mit sechs Jahren genug Kraft in den
INFO
Gruppenbelehrung: Rund
eine Stunde kostet 30
Euro. Termine: immer Mo
14.30 Uhr und Di 9 Uhr
im Gesundheitsamt, Neu-
mayerstraße 10, Neustadt.
Informationen:
minland.de/Gesundheits-
amt_bad_duerkheim/
Neustadt:
Neuer Service des Gesundheitsamts
Ob hauptberuflich in der Kneipe oder
beim Waffelstand vom Vereinsfest:
Wer den Kochlöffel schwingt oder
Schnittchen drapiert, der muss nach-
weisen, dass er hygienisch damit um-
gehen kann. Und wissen in welchen
Fällen, etwa bei einer bestimmten Er-
krankung, er dies nicht tun darf. Je-
der, der erstmals an mehr als drei Ta-
gen im Jahr gewerbsmäßigen Umgang
mit Lebensmitteln hat, benötigt ge-
mäß § 43 Abs. 1 des Infektionsschutz-
gesetzes daher eine „Erstbelehrung“
durch das Gesundheitsamt.
Diese Belehrungen erfolgen üblicher-
weise als Gruppenbelehrungen im Ge-
sundheitsamt Neustadt nach vorheriger
Anmeldung. Seit Anfang Januar besteht
die Möglichkeit, sich online anzumel-
den. Das Bild „Ihr Gesundheitsamt“
, Rubrik
„Bürgerservice“, rechte Bildschirmsei-
te) führt direkt zur Anmeldung. Pflicht-
felder müssen vollständig ausgefüllt
werden. Eine Anmeldung ist nur zu
den freien Terminen unter „Terminaus-
wahl“ möglich. Dort ist auch die An-
zahl der noch freien Plätze zu ersehen.
Bei der Anmeldung muss unter ande-
rem eine E-Mail-Adresse angegeben
werden, eine Bestätigungsmail wird an-
schließend versendet. Sollte diese Mail
nicht innerhalb weniger Minuten ein-
gehen, könnte sie im Spamfilter gelan-
det sein. Als weiterer Service ist es mög-
lich, den ausgewählten Termin in ei-
nen Kalender (etwa in Outlook) zu
übernehmen sowie sich zusätzlich eine
Terminerinnerung per Mail schicken
zu lassen. Es besteht auch die Möglich-
keit, den ausgewählten Termin nach-
träglich online zu ändern oder abzusa-
gen. Bei einer Absage gehen die ein-
gegebenen Daten verloren und müs-
sen bei einer späteren Neuanmeldung
erneut eingegeben werden. Wer sich
nicht online anmelden möchte, hat wei-
terhin die Möglichkeit, sich telefonisch
anzumelden: unter 06322/961-7105 mon-
tags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr,
donnerstags von 15 Uhr bis 17 Uhr.
Eine Online-Anmeldung ist nur zu
Gruppenbelehrungsterminen zu den
vorgegebenen Auswahlterminen mög-
lich. Voraussetzung für eine Gruppen-
belehrung ist ein ausreichendes Ver-
ständnis der deutschen Sprache. Bei
geringem oder keinem Verständnis der
deutschen Sprache ist eine Einzelbe-
lehrung mit Hilfe eines Dolmetschers
erforderlich. Diese Termine können nur
telefonisch vereinbart werden. Für Ein-
zelbelehrungen ist eine Gebühr in Höhe
von 60 Euro zu entrichten.
Armen haben.“ Das Ziel hier sei nicht,
dass die Kinder abnehmen, sondern
nicht weiter zunehmen und Spaß an der
Bewegung entwickeln. Tatsächlich pas-
sieren durch das verbesserte Körperge-
fühl der Kids auch weniger Unfälle.
Nach dem Rundgang zeigte die Kita
Westschule aus Neustadt mit einem Film,
wie sie das Konzept Bewegungskita bei
sich umgesetzt hat. Insgesamt entstand
während des Besuchs ein reger Aus-
tausch. Vom Verein „Bewegungskita
Rheinland-Pfalz“ war Daniela Fuchs zu
Gast. Der Verein betreut interessierte
Institutionen und vergibt die Zertifika-
te, die alle vier Jahre neu beantragt wer-
den. Bestimmte Voraussetzungen gibt
es, aber nicht alle müssen sofort erfüllt
sein. Fuchs: „Wir wollen die Bewegungs-
motivation verbessern und das ist ein
ganzheitliches Konzept.“ Der Verein legt
die Kriterien für die Zertifizierung fest,
zum Beispiel sollten Erzieherinnen in
der Psychomotorik ausgebildet sein,
und begleitet die Kindergärten auf ih-
rem Weg zum Zertifikat. 87 haben es
schon in Rheinland-Pfalz. „Möglichst
viel freie Bewegungs- und Spielzeit und
dass die Kinder Spaß daran haben“, fasst
Fuchs die Grundidee zusammen.
Kinder zu einem gesunden Lebens-
stil befähigen: Dieses Ziel hat sich
ein Arbeitskreis beim Gesundheits-
amt der Kreisverwaltung in Neustadt
gesetzt. „Prävention von Übergewicht
und Adipositas bei Kindern und Ju-
gendlichen“ heißt er. „Zu einem ge-
sunden Aufwachsen gehört – neben
einer ausgewogenen Ernährung und
Entspannung – vor allem die För-
derung von mehr Bewegung“, weiß
Hermann Jehl, Leiter des Gesund-
heitsamts. Kindertagesstätten, die
sich für mehr Bewegung einsetzen,
können sich in Rheinland-Pfalz zur
„Bewegungskita“ qualifizieren lassen.
Dieses Konzept möchte der Arbeits-
kreis allen Kindertagesstätten und
Horten im Landkreis Bad Dürkheim
und der Stadt Neustadt vorstellen.
„Wir möchten den Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern Lust darauf ma-
chen, ihre pädagogische Arbeit mit
dem Profil oder einzelnen Elementen
der Bewegungskita zu ergänzen.
Gegebenenfalls kann dann auch das
Qualitätssiegel angestrebt werden“,
so Jehl. Durch Infos aus erster Hand
sollten beim Besuch in Laumersheim
Vorbehalte hinsichtlich des finan-
ziellen und personellen Aufwands
ausgeräumt werden. „Wir freuen
uns, wenn möglichst viele diese
Anregungen aufgreifen. Man muss
nicht gleich das Zertifikat erwerben,
schon einzelne Elemente können viel
bringen. Allgemein möchten wir Be-
wegung in den Kita-Alltag bringen“,
erklärt die zuständige Mitarbeiterin
beim Gesundheitsamt, Else Korb-
Schwind. Der Arbeitskreis freut sich
außerdem über weitere Mitstreiter.
Zur Sache:
Arbeitskreis „Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen“
Spaß an Bewegung: Kind beim Spielen in der Kita „Grashüpfer“.
Foto: KV/Müller
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