DÜW-Journal - page 11

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Kreiskrankenhaus Grünstadt:
Winterzeit ist Virenzeit
Den Keimen richtig den Kampf ansagen
Frau Borbe, Herr Dr. Münke, die Win-
terzeit gilt als Hochsaison der Viren –
was sind die häufigsten Erkrankungen
in der kalten Jahreszeit?
Dr. Münke:
Das sind meist die Klassi-
ker: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Al-
lerdings gibt es da eher weniger Be-
rührungspunkte mit dem Kranken-
haus, es sei denn der Patient hat eine
Vorerkrankung, die eine Behandlung
im Krankenhaus erforderlich macht.
Auch Magen-Darm-Infekte haben
Hochsaison, etwa der Noro-Virus, der
zwar nicht immer, aber schon eher zu
einer stationären Aufnahme führt.
Claudia Borbe:
Generell beobachten
wir bei solchen Erkrankungen tatsäch-
lich eine saisonale Häufung, vor allem
von Oktober bis März.
Und wieso kommt es gerade imWinter
zu dieser Häufung?
Dr. Münke:
Die Keime existieren das
ganze Jahr über und können überall
auftreten. Nur ist es im Winter so, dass
die Menschen sich wenig draußen, son-
dern eher nah bei einander in geschlos-
senen Räumen aufhalten. Die ideale
Chance für Viren: So können sich die
Erreger leichter verbreiten und man
kann sich schneller anstecken. Sicher
spielen hier auch noch andere Fakto-
ren eine Rolle.
Sind die einzelnen Erreger ähnlich stark
ansteckend oder kommt es auf die Men-
ge der Keime an, mit denen man in
Kontakt kommt?
Dr. Münke:
Ganz grundsätzlich: Je
mehr Menschen in einer Gruppe bei-
sammen sind, desto höher ist das Ri-
siko. Allerdings gibt es Keime, die ex-
trem kontagiös – also äußerst anste-
ckend – sind, schon in kleinen Men-
gen. Wie der Noro-Virus: Hier reicht
der Kontakt mit 10 bis 100 Virusparti-
keln für eine Infektion aus, weshalb er
sich auch rasch verbreiten kann. Bei
anderen Keimen muss die Menge deut-
lich höher sein, um eine Infektion wahr-
scheinlich zu machen: Teilweise füh-
ren erst 10.000 bis 100.000 sogenann-
te Virenkopien zur Ansteckung. Es
kommt tatsächlich auf eine Mindest-
zahl an, die man aufnehmen muss, um
selbst zu erkranken. Man sollte also
versuchen, die Keime auf eine nicht
infizierende Anzahl zu reduzieren, um
das Ansteckungsrisiko zu minimieren.
Wie lässt sich das im Alltag bewerkstel-
ligen?
Claudia Borbe:
Vorbeugend kann man
eine Menge tun, etwa mit gesunder Er-
nährung das Immunsystem stärken,
viel trinken, regelmäßig die Räume
lüften und besonders wichtig: Auf
die Händehygiene achten. Etwa 20-
30 Sekunden sollte man gründlich
die Hände auch zwischen den Fingern
mit Seife reinigen und zum Abtrock-
nen ein sauberes Tuch verwenden. So
lässt sich die Keimzahl reduzieren,
wenn auch nicht auf Null bringen.
Dr. Münke:
Als Prophylaxe, gerade für
Risikogruppen, sind auch Impfungen,
etwa gegen Grippe oder Lungenent-
zündung, sinnvoll. Die Bevölkerung
ist da in den letzten Jahren ein biss-
chen nachlässig geworden. Wenn sich
immer weniger Menschen gegen Grip-
pe impfen lassen, kann es natürlich
leichter zu einer Epidemie kommen,
denn durch das Impfen schützt man
nicht nur sich selbst, sondern verhin-
dert zugleich auch eine Ausbreitung
der Grippe. Ob eine Grippe-Schut-
zimpfung sinnvoll ist, sollte mit dem
Hausarzt besprochen werden.
Wie verhält man sich richtig, wenn es
einen doch erwischt hat?
Dr. Münke:
Am besten zu Hause blei-
ben. Wem das nicht möglich ist, der
sollte zumindest Risikogruppen wie
ältere oder kranke und geschwächte
Menschen meiden. Solange die Nase
läuft oder man andere Symptome hat,
ist man auch noch ansteckend! Wich-
tig ist es, „richtig“ zu husten und zu
niesen – nicht in die Hände, sondern
in die Armbeuge. Sonst gibt man die
Erreger beim nächsten Händeschüt-
teln oder beim Griff an die Türklinke
weiter. Die Verwendung von Einmal-Ta-
schentüchern ist ebenfalls wesentlich
hygienischer als Stofftücher. Grund-
sätzlich sollte man sich einfach bewusst
sein, dass die Keime, auch wenn wir
sie nicht sehen können, überall sind.
Fasse ich im Bus den Haltegriff an,
weiß ich nicht, wer ihn vorher schon
alles berührt hat. Dieses Bewusstsein
hilft, das eigene Verhalten – sowohl
vorbeugend als auch im Krankheitsfall
– anzupassen.
Wie dämmen sie im Krankenhaus die
Verbreitung von Keimen ein?
Claudia Borbe:
Wir haben an den zen-
tralen Punkten des Hauses wie den
Eingangsbereichen, dem Treppenhaus
und auf allen Stockwerken Automaten
zur Händedesinfektion installiert, die
auch sehr gut angenommen werden.
Wird ein Patient mit einer anstecken-
den Infektion eingewiesen, gibt es für
die verschiedenen Krankheitsszenari-
en bestimmte Hygienestandards, die
einzuhalten sind. Diese Standards wer-
den von unseren hygienebeauftragten
Ärzten und Pflegekräften erarbeitet
und von der Hygienekommission des
Krankenhauses in Kraft gesetzt. Sie
orientieren sich an den Empfehlungen
des Robert-Koch-Instituts und beinhal-
ten das genaue Prozedere, wie mit dem
Patienten umzugehen ist – von der Ein-
lieferung über den kürzesten Weg auf
die Station bis zur Isolation des Betrof-
fenen. Auch Vorkehrungen für das Per-
sonal, die Angehörigen und die Besu-
cher wie mögliche Schutzkleidung sind
geregelt.
Dr. Münke:
Handelt es sich um eine
hoch infektiöse Krankheit, stellen sich
oft in der Praxis ganz ungewöhnliche
Fragen: Wie wird das Essenstablett
möglichst ohne Risiko für Mitpatien-
ten und Personal wieder abgeholt, wie
kommen nach der Blutabnahme die
Röhrchen ins Labor, wie werden nach
Untersuchungen die Geräte richtig des-
infiziert? Solche Details sind genaues-
tens festgelegt. Die erforderlichen Hy-
gienemaßnahmen, wie etwa Isolierung
im Einzelzimmer, helfen uns, die Ver-
breitung der Erreger zu verhindern:
Wir wissen, wo die Keime sind oder
sein könnten und sorgen dafür, dass
sie dort bleiben und sich nicht weiter
ausbreiten.
Schnupfennasen: Vor allem in der kalten Jahreszeit häufen sich Grippe und
Erkältungen.
Foto: drubig-photo/Fotolia.com
Kann schützen: In die Armbeuge
husten und niesen, so dass die Viren
nicht beim Händedruck übertragen
werden.
Foto: absolutimages/Fotolia.com
INFO
Neuer Spezialist im
Kreiskrankenhaus Grünstadt
Seit Anfang
Januar ist Dr.
Alfred Schmid-
gen (Foto)
Oberarzt in der
chirurgischen
Abteilung des
Kreiskranken-
hauses Grün-
stadt. Der in Wassernach in der
Eifel geborene Facharzt für Chir-
urgie, Orthopädie und Unfallchi-
rurgie verstärkt das Team von
Herrn Chefarzt Dr. Frank Eh-
mann und deckt zusammen mit
Oberarzt Rainer Wolf das ge-
samte Gebiet der knochenchir-
urgischen Operationen ab. Nach
Studium und Promotion an der
Universität in Bonn und dem
Abschluss seiner Facharztausbil-
dung an der BG-Unfallklinik in
Ludwigshafen war Dr. Schmid-
gen in verschiedenen renom-
mierten Kliniken in leitender
Position tätig. Schwerpunkt sei-
ner Tätigkeit im Grünstädter
Krankenhaus werden die Gelen-
kersatzoperationen an Schulter,
Hüfte und Knie. Dr. Schmidgen
ist verheiratet und hat vier Söh-
ne im Alter zwischen 28 und 14
Jahren. Er lebt mit seiner Familie
in Fußgönheim.
Die Nase läuft, der Schädel brummt,
Rachen und Hals kratzen – jeder kennt
sie, die typischen Symptome von Er-
kältungskrankheiten, die in der kal-
ten Jahreszeit Hochsaison haben. Die
Verursacher von Grippe und Co. sind
für das bloße Auge unsichtbar – aber
allgegenwärtig: Keime, vor allem in
Form von Viren. Kleinste infektiöse
Partikel mit großer Wirkung, denn
oft reicht für eine Ansteckung schon
der Kontakt mit kleinen Mengen der
Erreger. Dabei kann jeder aktiv dazu
beitragen, ihnen möglichst wenig An-
griffsfläche zu bieten. Doch wie kann
man bereits vorbeugend den Keimen
den Kampf ansagen? Was tun, wenn
es einen doch erwischt, und wie ge-
hen eigentlich die Profis im Kranken-
haus mit hoch ansteckenden Krank-
heitserregern um? Diese und weitere
Fragen beantworten Hygienefachkraft
Claudia Borbe und Dr. Hans Münke,
Chefarzt für Innere Medizin und ärzt-
licher Direktor des Kreiskrankenhau-
ses Grünstadt. Beide gehören der dor-
tigen Hygienekommission an, die für
die Planung, Umsetzung und Einhal-
tung der Hygienestandards im Haus
verantwortlich ist.
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