DÜW-Journal - page 13

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TAG DES OFFENEN KREISSSAALS
Nach der großen Resonanz in
den vergangenen Jahren veran-
staltet die geburtshilfliche Abtei-
lung des
Kreiskrankenhauses
Grünstadt
wieder einen Tag des
offenen Kreißsaals. Am
Sonntag,
17. April 2016,
haben nicht nur
Schwangere, sondern alle Interes-
sierten die Gelegenheit, sich
zwischen 10 und 14 Uhr
die
Kreißsäle und die Entbindungs-
station anzusehen und sich bei
den Hebammen und Ärzten zu
informieren. Neben Workshops
zu den Themen „Gipsbüsten vom
Babybauch“, „Tragevariationen/
Tücher“ und „Babymassage“
werden Vorträge über die Geburt
und das Stillen in der baby-
freundlichen Geburtsklinik des
Kreiskrankenhauses Grünstadt
angeboten. Die Demonstration
des 3D-Ultraschallgerätes, ein
Film über die Wassergeburt in
der Geburtswanne, Informatio-
nen zu alternativen Wickelsyste-
men und zu FenKid sowie ein
Kinderprogramm runden das
Angebot ab. Auch für einen Im-
biss und Getränke ist gesorgt.
Die nächste Kreißsaalführung ist
am Donnerstag, 12. Mai.
Weitere Informationen unter
Sonde für Radiofrequenztherapie.
Mit freundlicher Genehmigung der OLYMPUS SURGICAL
TECHNOLOGIES EUROPE, Olympus Winter & Ibe GmbH, Kuehnstraße 61, 22045 Hamburg, Germany
Kreiskrankenhaus Grünstadt:
Interview mit Oberärztin Michaela Heyer-Stuffer zur Wärmetherapie gegen Krampfadern
Schonendes und schnelles Verfahren
Schwellungen, Schmerzen, schwere
Beine – die Symptome bei einem
Krampfaderleiden sind vielfältig. Etwa
jeder dritte Erwachsene hat nach Schät-
zungen Krampfadern, auch Varizen
genannt. Neben klassischen Metho-
den wie Venenstripping, dem Heraus-
ziehen betroffener Venenabschnitte,
bietet die Radio-Frequenz-Induzierte
Thermotherapie eine alternative Be-
handlungsmethode und gilt als beson-
ders schonend. Ein Verfahren, das
auch das Kreiskrankenhaus Grünstadt
anbietet: Dank der finanziellen Unter-
stützung des Fördervereins konnte ein
entsprechendes Gerät angeschafft wer-
den. Wie die Methode funktioniert
und worin die Unterschiede zu den
bisherigen Verfahren liegen, erklärt
Michaela Heyer-Stuffer, Oberärztin
der Abteilung für Chirurgie am Kreis-
krankenhaus Grünstadt.
Als Chirurginmit Schwerpunkt Kramp-
faderchirurgie behandeln Sie Patien-
ten inzwischen auch mit der Ra-
dio-Frequenz-Induzierten Thermothe-
rapie: Was versteht man darunter?
Michaela Heyer-Stuffer: Die Radio-Fre-
quenz-Induzierte Thermotherapie ge-
hört zu den modernen Verfahren und
ermöglicht es, Krampfadern ohne Leis-
ten- oder Kniekehlenschnitt zu entfer-
nen. Dabei werden die betroffenen Blut-
gefäße mit Wärme zum Schrumpfen
gebracht.
Das klingt nach Millimeterarbeit. Wie
gelangt die Wärme an die richtige Stel-
le und welche Wirkung hat sie?
Wir führen über einen kleinen Schnitt
eine dünne Sonde unter Ultraschallkon-
trolle bis zur Mündungsstelle in die
Stammvene ein, die ursächlich für die
Krampfadern ist. Dann ziehen wir die
Sonde langsam wieder aus der Vene zu-
rück und dabei wird Radiofrequenze-
nergie freigesetzt, die die Vene von in-
nen erhitzt. Das Resultat: Die Vene zieht
sich zusammen und verschließt sich.
Zurück bleibt ein nicht durchbluteter
Strang, der im Laufe der Zeit vom Kör-
per abgebaut wird.
Dann kommt es sicher auch auf die
richtige Dosierung der Wärme an –
wie wird die Energieabgabe reguliert?
Das Gerät gibt über ein akustisches Si-
gnal ständig Rückmeldung an den Arzt,
so dass man genau weiß, ob die richti-
ge Menge Energie abgegeben wird und
ob auch beispielsweise die Geschwin-
digkeit stimmt, mit der man die Sonde
durch die Vene bewegt. Eine „Überdo-
sierung“ ist also nicht möglich. Das ist
auch ein entscheidender Vorteil gegen-
über der Laser-Methode – es kann bei
der Radio-Frequenz-Induzierten Ther-
motherapie nicht zu einer Überhitzung
kommen.
Worin liegen weitere Vorteile dieser
speziellen Thermotherapie?
Die Radio-Frequenz-Induzierte Ther-
motherapie ist ein minimal invasives
Verfahren, das heißt, es wird nur ein
kleiner Schnitt gesetzt, um die Sonde
einführen zu können. Man spart sich
also gegenüber klassischen Methoden
größere Schnitte an Leiste und Knie-
kehle, wie beispielsweise erforderlich,
wenn die betroffene Vene herausgezo-
gen wird. Gerade am Knie besteht oft
ein gewisses Risiko von Nervenproble-
men, was man mit der Thermotherapie
umgehen kann. Außerdem erspart es
dem Patienten Blutergüsse. Wenn die
Vene gezogen wird, kann man sich gut
vorstellen, dass dabei Hämatome ent-
stehen. Die können mitunter schmerz-
haft sein und eine Beeinträchtigung dar-
stellen. Die Patienten kommen also auch
schneller wieder auf die Beine – und
zwar buchstäblich.
Ein gutes Stichwort: Wie geht es nach
dem Eingriff weiter und vor allem –
wie schnell?
Meist wird der Eingriff ambulant vor-
genommen, also überwiegend unter
Spinalanästhesie, aber auch in Vollnar-
kose. Nach einer Teilnarkose wird der
Patient in der Regel nach etwa zwei
Stunden wieder entlassen. Danach ist
Bewegung angesagt: Man sollte viel lau-
fen, am besten zweimal am Tag stramm
spazieren gehen. Etwa ein bis zwei Tage
nach dem Eingriff kann es zu Schmer-
zempfinden am Bein kommen, wenn
die verschlossene Vene sich abzubau-
en beginnt. Die üblichen Schmerzmit-
tel sollten aber in diesem Zeitraum aus-
reichend sein. Je nach persönlichem
Befinden und Verlauf ist man dann nach
einer Woche wieder arbeitsfähig, muss
aber etwa zwei Wochen Kompressions-
strümpfe tragen. Zum Vergleich: Bei
den bisherigen Methoden waren die
Kompressionsstrümpfe sogar bis zu vier
Wochen notwendig und man konnte
vielleicht nach zwei Wochen wieder voll
mobil sein. Ein bis zwei Wochen nach
dem Eingriff ist aber auch bei der Ther-
motherapie eine Nachkontrolle per Ul-
traschall nötig, um sicherzugehen, dass
die Vene auch wirklich verschlossen ist.
Ist die Radio-Frequenz-Induzierte
Thermotherapie für jeden geeignet?
Wie bei jeder Operationsmethode auch,
ist die Radio-Frequenz-Induzierte Ther-
motherapie nicht bei jedem Venenlei-
den angezeigt. Hat die Krampfader ei-
nen Durchmesser von mehr als zwei
Zentimetern, ist das Verfahren ungeeig-
net. Auch Seitenäste der Venen, die dicht
unter der Haut liegen, lassen sich nicht
damit behandeln, weil es dort zu ther-
mischen Schäden der Haut kommen
könnte. Dafür allerdings können Pati-
enten, die Marcumar zur Hemmung der
Blutgerinnung einnehmen, nach dieser
Methode behandelt werden. Es kommt
also auf den individuellen Fall an. Au-
ßerdem sollte man noch etwas ganz an-
deres beachten: Private Krankenkassen
übernehmen die Kosten für eine Be-
handlung mit der Radio-Frequenz-In-
duzierten Thermotherapie, gesetzliche
Kassen dagegen oft nicht. Gesetzlich
versicherte Patienten sollten dies also
vorher mit ihrer Krankenkasse klären.
So schonend das neue Verfahren auch
ist – wann ist ein Entfernen von
Krampfadern nötig? Sind sie nicht
eher eine kosmetisch-ästhetische Fra-
ge als ein gesundheitliches Problem?
Keinesfalls. Der kosmetische Aspekt ist
meist zweitrangig. Krampfadern kön-
nen unbehandelt ernste langfristige Fol-
gen haben: Schwellungen, Schmerzen
in den Beinen und Verfärbungen sind
nur ein paar der Anzeichen, dass ein
Besuch beim Phlebologen, einem
Facharzt für Gefäßerkrankungen, an-
gebracht ist. Im schlimmsten Fall kann
ein Venenleiden beispielsweise auch
ein offenes Bein verursachen: Durch
den chronischen Blutstau als Folge von
defekten Ventilklappen kommt es zu
Einlagerungen und Gewebe und Haut
werden im Laufe der Zeit immer schlech-
ter. Dann kann es dazu kommen, dass
selbst kleine Wunden nicht mehr rich-
tig heilen. Sobald man Beschwerden
hat, sollte man auf jeden Fall einen
Facharzt aufsuchen, der dann einschät-
zen kann, ob eine Operation ratsam
wäre – ganz gleich nach welcher Me-
thode.
Schöne Beine ohne Krampfadern: Die Varizen sind aber nicht nur ein kosme-
tisches, sondern auch ein gesundheitliches Problem.
Foto: Alena Ozerova/Fotolia.com
INFO
Auskünfte im Sekretariat
der chirurgischen Abtei-
lung, 06359/809-501,
Claudia.Herold@Kranken-
hausgruenstadt.de, www.
krankenhausgruenstadt.de
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